Deutsches Anlagevermögen schrumpft: Abschreibungen übersteigen 2024/25 Investitionen
Unternehmen schrieben 2024 und 2025 mehr ab als sie neu investierten. Erstmals seit der Wiedervereinigung schrumpfte das volkswirtschaftliche Anlagevermögen; die Entwicklung unterscheidet sich deutlich zwischen den Bundesländern.
Nach Angaben neu verfügbarer Daten investierten Unternehmen 2024 und 2025 insgesamt weniger in Sachanlagen als an Abschreibungen anfielen. In der Folge ist das volkswirtschaftliche Anlagevermögen erstmals seit der Wiedervereinigung gesunken, ein Ergebnis, das Ökonomen als negative Nettoinvestitionsquote interpretieren.
Im Mittelpunkt der Kennzahl steht die Frage, ob Investitionen in Maschinen, Gebäude und Fahrzeuge den Wertverzehr ersetzen oder übersteigen. Bleiben die Bruttoinvestitionen hinter den Abschreibungen zurück, reduziert sich die Substanz des Anlagevermögens; langfristig leidet dadurch das Wachstumspotenzial der Wirtschaft.
Nach dem Schritt, die Daten regional zu betrachten, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Bis 2023 vorliegende Zahlen belegen, dass etwa Thüringen, Bremen und Nordrhein-Westfalen bereits eine negative Investitionsquote aufweisen, während Bayern, Hessen und Berlin positiv abschneiden. Solche Diskrepanzen deuten darauf hin, dass strukturelle Rahmenbedingungen und Branchenprofile die Investitionsbereitschaft in den Ländern maßgeblich prägen.
Zugleich benennt die Analyse mehrere Triebkräfte für die anhaltend niedrige Nettoinvestitionsquote, allen voran konjunkturelle Unsicherheit und ein fehlendes Vertrauen in rentable Zukunftsperspektiven. Unternehmen brauchen neben einer stabilen Wirtschaftsgrundlage vor allem die Erwartung, dass sich künftige Projekte rechnen; fehlt dieser Glaube, werden Investitionen zurückgestellt.
Inzwischen kann die negative Nettoinvestitionsquote als Warnhinweis für die wirtschaftspolitische Lage verstanden werden: Sie signalisiert nicht nur gegenwärtige Zurückhaltung, sondern auch das Risiko schwindender Produktionskapazitäten und abnehmender Innovationskraft. Vor diesem Hintergrund rücken Maßnahmen zur Stärkung von Investitionsanreizen, zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und zu gezielter regionaler Förderung in den Blick, um einer weiteren Erosion des Anlagevermögens entgegenzuwirken.