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Vom politischen Büro zum obersten Weinlobbyisten

Herbert Oschep, früherer Büroleiter roter Landeshauptmänner, wurde erneut zum Obmann von Wein Burgenland gewählt. Er will das Außenmarketing stärker auf das Burgenland zentrieren und setzt auf provokante Werbung sowie eine stärkere Positionierung der Winzer.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Vom politischen Büro zum obersten Weinlobbyisten
Oschep will die Marke Burgenland vor die regionalen Weinnamen stellen und warnt vor sinkenden Traubenpreisen sowie Unsicherheiten beim Export.

Herbert Oschep (43) ist erneut zum Obmann von Wein Burgenland gewählt worden. Seit rund einem Jahr führt er die Weintourismus Burgenland GmbH; zuvor war er Sprecher und Büroleiter der Landeshauptmänner Hans Niessl und Hans Peter Doskozil. In seiner wiedergewählten Funktion kündigt Oschep eine Neuausrichtung des Außenmarketings an, bei der das Burgenland als übergeordnete Marke stärker in den Vordergrund rücken soll.

Oschep begründet die Strategie damit, dass die überregionale Marke international größere Zugkraft habe als die vielen kleinen Weinbauregionen. Die Unterregionen sollen demnach nicht verschwinden, im Außenauftritt soll jedoch zuerst das Burgenland genannt werden, erst danach die jeweilige Unterregion. Als Beispiel führt er den Eisenberg an, der trotz überschaubarer Rebfläche in Fachkreisen europaweit bekannt sei. Ziel sei es, regionale Besonderheiten in ein konsistentes, markenorientiertes Marketing einzubetten.

Der wirtschaftliche Druck auf die Winzer im Burgenland ist nach Oscheps Worten erheblich. Der Weinkonsum falle generell, jüngere Generationen tranken weniger Alkohol, und die Preise für Trauben seien teilweise unter 40 Cent pro Kilogramm gefallen, was er als nicht mehr wirtschaftlich darstellbar bezeichnet. Hinzu kämen internationale Unsicherheitsfaktoren: Der Nahe Osten spiele für burgenländischen Wein keine Rolle, die USA hätten in den vergangenen Jahren große Bedeutung besessen, die dortige Zollpolitik mache Neueinstiegen jedoch das Geschäft schwer. Positiv hebt Oschep steigende Exporte nach Kanada hervor.

Für die Außendarstellung setzt Oschep auf provokante Botschaften und prominente Gesichter. Eine TV-Kampagne mit dem Burgschauspieler Nicholas Ofczarek soll Selbstbewusstsein vermitteln und die Marke Burgenland sichtbarer machen. Nach Oscheps Darstellung empfinden 70 bis 75 Prozent der TV-Konsumenten die Werbung als gelungen; andere Reaktionen sind teils kritisch.

Finanziell steht der Weintourismus Burgenland eigenen Angaben zufolge mit einem Jahresbudget von 761.000 Euro da. Hinzu kommen 150.000 Euro für den Verein Wein Burgenland und ein Länderbeitrag von 1,2 Millionen Euro für das Österreichische Weinmarketing – zusammen rund zwei Millionen Euro. Eine Studie des Ökonomen Christian Helmenstein beziffert die Wertschöpfung des Weinsektors im Burgenland auf knapp 260 Millionen Euro.