Argentinien: Milei unter Druck — Inflation kehrt zurück trotz Haushaltsüberschuss
Nach anfänglichen Erfolgen bei der Eindämmung der Inflation verzeichnet Argentinien wieder steigende Monatsraten. Für Präsident Javier Milei könnte das zur ernsten politischen Belastungsprobe werden.
Nach Angaben aus Buenos Aires machte Präsident Javier Milei die Inflation erneut zum zentralen Thema seiner Amtszeit und warnte in einer Rede vor der Amerikanischen Handelskammer vor den Konsequenzen anhaltender Teuerung. Der selbst ernannte Anarcho‑Kapitalist reagierte emotional auf die Entwicklung, die er in der Vergangenheit als für ihn unerträglich bezeichnete.
Im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Bilanz stehen widersprüchliche Signale: Durch radikale Ausgabenkürzungen ist das Haushaltsdefizit in einen Überschuss verwandelt worden, und die Zentralbank finanziert den Staatshaushalt nach Mileis Amtsantritt nicht mehr. Zugleich hat die Inflationsrate nach dem dramatischen Rückgang von extrem hohen Werten Anfang 2024 nicht dauerhaft an Dynamik verloren; die Zwölfmonatsinflation liegt nun bei rund 33 Prozent.
Unterdessen gerät die Mittelschicht zunehmend unter Druck, da rückläufige Reallöhne und anhaltend hohe Preise Kaufkraft und Lebensstandard belasten. Gleichzeitig sehen Beobachter in der stagnierenden Inflationsentwicklung über Monate und dem erneuten Anstieg im März ein wachsendes Risiko für die politische Stabilität der Regierung und für die gesamte wirtschaftliche Erholung.
Daneben steht die Regierung vor der Herausforderung, die Glaubwürdigkeit ihrer wirtschaftspolitischen Strategie zu bewahren, während sie auf die wieder aufgeflammte Inflation reagieren muss. Konkrete neue Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung wurden bislang nicht benannt, sodass offenbleibt, wie Milei das Vertrauen in seine ökonomische Agenda wiederherstellen will.