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Gender Pay Gap 2024: Österreich bleibt mit 17,6 % deutlich über EU-Schnitt

Der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern ist in Österreich weiter gesunken, liegt im EU-Vergleich aber noch immer auf einem der höchsten Niveaus.

JKCM Desk 3 Min Lesezeit
Titelbild: Gender Pay Gap 2024: Österreich bleibt mit 17,6 % deutlich über EU-Schnitt
  • Frauen verdienten 2024 in der Privatwirtschaft brutto pro Stunde im Schnitt 17,6 % weniger als Männer.
  • Im EU-Vergleich lag Österreich damit an dritter Stelle hinter Estland und Tschechien.
  • Die Teilzeitquote von Frauen stieg binnen zehn Jahren auf 51,1 %, was den Einkommensabstand mitprägt.
  • Bei Alterspensionen zeigt sich die Schieflage noch stärker: Frauen erhielten 2024 im Schnitt 40,3 % weniger.

Die neue Genderstatistik für 2026 setzt einen harten Maßstab für die heimische Gleichstellungspolitik. In der Privatwirtschaft verdienten Frauen in Österreich im Jahr 2024 brutto pro Stunde im Schnitt 17,6 % weniger als Männer. Gegenüber 2014 ist der Abstand damit zwar zurückgegangen, weil er damals noch 22,2 % betrug. Im europäischen Vergleich bleibt die Republik aber im oberen Problemfeld. Nur Estland und Tschechien wiesen 2024 noch größere Lohnunterschiede aus. Der EU-Schnitt lag bei 11,1 % und damit klar unter dem österreichischen Wert. Für den Arbeitsmarkt ist das relevant, weil der Indikator nicht Monatsgehälter, sondern Stundenverdienste vergleicht und damit direkte Unterschiede in der Entlohnung sichtbarer macht.

Der Rückgang um 4,6 Prozentpunkte in zehn Jahren zeigt, dass sich Strukturen bewegen, aber nicht schnell genug. Statistik Austria verweist darauf, dass rund ein Drittel des hohen österreichischen Gender Pay Gap durch strukturelle Unterschiede erklärt werden kann. Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Branchen und Berufen mit niedrigerem Lohnniveau, haben häufiger unterbrochene Erwerbsbiografien und sind deutlich öfter in Teilzeit beschäftigt. Auch wenn der Indikator Stundenverdienste vergleicht, bleibt Teilzeit relevant, weil Teilzeitstellen im Durchschnitt schlechter bezahlt werden als Vollzeitjobs. Der verbleibende Abstand verschwindet durch diese Erklärung nicht. Genau deshalb bleibt der Wert politisch heikel: Er ist kleiner geworden, aber er liegt weiterhin deutlich über dem europäischen Normalmaß.

Parallel dazu ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen gestiegen. Die Beschäftigungsquote der 15- bis 64-jährigen Frauen lag 2024 bei 70,7 %, nach 66,9 % zehn Jahre zuvor. Bei Männern stieg sie im selben Zeitraum von 75,2 % auf 77,5 %. Besonders stark fiel der Zuwachs bei älteren Frauen aus, weil sich die höhere Erwerbsbeteiligung in den Gruppen ab 55 Jahren bemerkbar machte. Gleichzeitig nahm die Teilzeitquote der Frauen weiter zu und erreichte 51,1 %. Im EU-Vergleich ist das sehr hoch. Besonders ausgeprägt bleibt Teilzeit in Lebensphasen mit Betreuungspflichten. Für Frauen zwischen 30 und 39 Jahren lag die Quote laut Statistik Austria bei 71,9 %. Als Hauptgrund für Teilzeit nannten Frauen am häufigsten Betreuungsaufgaben.

Die Folgen reichen weit über den laufenden Arbeitslohn hinaus. Bei den Alterspensionen lag der Abstand zwischen Frauen und Männern 2024 bei 40,3 %. Damit zeigt sich, wie stark Erwerbsverläufe, Arbeitszeitmodelle und Einkommensniveaus über Jahrzehnte nachwirken. Auch Armutsgefährdung bleibt ungleich verteilt. Besonders hoch ist sie bei Alleinerziehenden und bei allein lebenden Pensionistinnen. Der Befund ist für Österreich deshalb unangenehm, weil das Land bei Erwerbstätigkeit und Wirtschaftsleistung hoch entwickelt ist, bei der geschlechtsspezifischen Verteilung von Erwerbsarbeit und Einkommen aber nur langsam aufholt. Die Statistik liefert damit nicht nur einen Gleichstellungswert, sondern ein kompaktes Bild über Arbeitsmarkt, Sorgearbeit und Alterssicherung.

Für die nächsten Monate wird entscheidend sein, ob die Debatte bei der symbolischen Lohnlücke stehen bleibt oder stärker auf die dahinterliegenden Mechanismen zielt. Höhere Erwerbsbeteiligung allein reicht offensichtlich nicht, wenn sie mit hoher Teilzeit, langen Erwerbsunterbrechungen und niedriger bezahlten Tätigkeiten zusammenfällt. Relevanter als plakative Prozentvergleiche sind daher Fragen nach Kinderbetreuung, Arbeitszeitmodellen, branchenspezifischen Aufstiegschancen und Pensionsfolgen. Die neue Veröffentlichung zeigt vor allem eines: Österreich ist beim Gender Pay Gap nicht mehr dort, wo es vor zehn Jahren stand, aber weit genug nach vorne ist das Land noch nicht gekommen.