Braunau fühlt sich hinters Licht geführt: Debatte um Rolle von Andreas Maislinger beim Haus der Verantwortung
Kommunalpolitiker und Vereinskritiker werfen dem Gründer vor, sich trotz angeblichem Rückzug maßgeblich in das Projekt einzubringen und damit Transparenz und Verantwortungsstrukturen zu untergraben.
In Braunau wächst die Unzufriedenheit über die Nachnutzung des ehemaligen Geburtshauses Adolf Hitlers und die Pläne für ein Haus der Verantwortung. Lokalpolitiker und Mitglieder historischer Vereine fühlen sich getäuscht, weil der Initiator des Projekts, der Innsbrucker Politologe Andreas Maislinger, öffentlich als zurückgetreten dargestellt worden sei, intern aber offenbar das wissenschaftliche Konzept erarbeitet und damit faktisch wieder Einfluss auf das Vorhaben nehme.
Vertreter des Vereins sowie mehrere Gemeinderäte berichten, bei einer Präsentation des Projekts am 5. März sei der Eindruck vermittelt worden, Maislinger werde keine Rolle spielen. Die Vorstellung durch Vereinsvertreter Eduard Schmiege und Erich Marschall habe den Eindruck erweckt, es handele sich um ein anderes Projekt, unter anderem mit dem alten Stadttheater als Standort, obwohl es weiterhin unter dem Namen Haus der Verantwortung firmiere. Mehrere Fraktionschefs und der stellvertretende Bürgermeister zeigten sich überrascht, als bekannt wurde, dass Maislinger das Konzept ausgearbeitet habe.
Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Kommunikationsweise, sondern auch gegen die inhaltliche Substanz der Präsentation. Kommunalpolitiker beschrieben das vorgestellte Konzept als inhaltlich dürftig und vage; es habe an konkreten Angaben zu Veranstaltungen, Kongressen und Finanzierung gefehlt. FPÖ-Fraktionschef Christian Bachinger und der Grüne Manfred Hackl äußerten Zweifel, ob potenzielle Investoren ohne präzisere Angaben überzeugt werden könnten. Beide betonten, dass fehlende Klarheit die Zustimmung der Stadtpolitik erschwere.
Die Debatte belastet die ohnehin heikle Auseinandersetzung um das Erbe des historischen Ortes. Maislinger wirbt seit mehr als zwei Jahrzehnten für eine Begegnungsstätte in Braunau und hatte den Verein Haus der Verantwortung gegründet. 2023 war er wegen Vorwürfen beim Auslandsdienst in die Kritik geraten und trat damals als Vorsitzender zurück, was in Braunau Verbitterung hinterlassen habe. Lokalvertreter bewerten den nun wieder sichtbaren Einfluss Maislingers als problematisch.
Trotz der Spannungen fasste der Gemeinderat den Beschluss, das frühere Geburtshaus zwei Jahre freizuhalten, um dem Verein Zeit zur Finanzierungssuche zu geben. Parallel wurde das Vorhaben verlagert: Als möglicher Standort ist nun das alte Stadttheater im Gespräch. Die Stadtpolitik fordert jedoch vor weiteren verbindlichen Schritten klare Aussagen zu Verantwortlichkeiten, konkreten Plänen und der künftigen Rolle von Andreas Maislinger.