Brexit kostete dem britischen Wirtschaftswachstum laut Bankdaten rund 6 Prozent
Ökonomen rekonstruierten verlorenes Wachstum mit internen Firmendaten der Bank of England; Unsicherheit nach dem Referendum und höhere Handelsbarrieren gelten als Hauptursachen.
Die Kernentwicklung: Eine Analyse interner Unternehmensdaten der Bank of England legt nahe, dass der Brexit das britische Bruttoinlandsprodukt in den zehn Jahren nach dem Referendum um etwa sechs Prozent geschmälert hat.
Die Studie versuchte zu rekonstruieren, wie die britische Volkswirtschaft ohne den Austritt aus der Europäischen Union gewachsen wäre. Dabei zeigt sich, dass etwa die Hälfte des Einbruchs auf die unmittelbare Verunsicherung nach dem Referendum zurückzuführen ist. Der restliche Teil des Verlusts wird auf die zunehmenden Handelsbarrieren nach dem Ausscheiden aus der Zollunion und dem Binnenmarkt im Jahr 2021 zurückgeführt.
Zugleich setzten die Forschenden neben den detaillierten Firmenangaben fünf weitere, gängige methodische Ansätze ein, um das verlorene Wachstum abzuschätzen. Während die Unternehmensdaten einen niedrigeren Schätzwert von rund sechs Prozent ergaben, kommen die aggregierten Verfahren im Mittel auf etwa acht Prozent. Die Autorinnen und Autoren heben hervor, dass der wirtschaftliche Schaden nicht plötzlich, sondern schrittweise über das vergangene Jahrzehnt entstanden sei.
Die Untersuchung basiert auf Antworten, Firmenberichten und finanziellen Kennzahlen tausender Unternehmen, die ursprünglich zur geldpolitischen Einschätzung genutzt werden. Mit diesen Angaben ließen sich Expositionen gegenüber Brexit‑Folgen, gemeldete Einflüsse und Veränderungen in der Unternehmensbilanz verfolgen, um die Entwicklung des Wachstumspfads ohne Austritt zu modellieren.
Die Arbeit entstand in Zusammenarbeit von Ökonominnen und Ökonomen der Bank und externen Forschenden. Formal tragen die Ergebnisse eine Einschränkung, dass sie nicht zwingend die offizielle Haltung der Zentralbank wiedergeben. Gleichwohl liefern die firmenspezifischen Daten eine unabhängige Perspektive, die die Schätzung eines substanziellen, über die Jahre entstehenden wirtschaftlichen Effekts stützt.
Daneben räumen die Autorinnen und Autoren ein, dass andere Faktoren die Vergleichswerte beeinflussen können. Kritikerinnen und Kritiker weisen darauf hin, dass etwa die relative Stärke bestimmter Sektoren in anderen Ländern oder externe Schocks das Bild verzerren könnten. Die Studie bleibt dennoch ein bislang einmaliger Versuch, zentrale Informationen aus dem Unternehmenssektor systematisch zu nutzen, um das Ausmaß der Brexit‑Folgen für das Wachstum zu quantifizieren.