EU treibt Aufrüstung gegen Massen‑Drohnenkrieg voran
Hoher Verbrauch an Kampfdrohnen und günstige Auslandsproduktion zwingen die EU zu umfangreichen Verteidigungsprogrammen und koordinierter Industriepolitik.
- Ukraine setzt zehntausende Drohnen monatlich ein
- die EU startet 2026 die European Drone Defence Initiative und baut mit der Ukraine eine gemeinsame Produktions‑ und Verteidigungskooperation auf.
Nach Angaben der Berichterstattung hat sich der Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge in modernen Konflikten rasant ausgeweitet: Die Ukraine nutzt demnach etwa 9.000 Drohnen pro Tag, was rund 270.000 Exemplaren im Monat entspricht. Dem stehen Schätzungen zur Produktionskapazität Irans gegenüber, die bei etwa 400 Shahed‑Drohnen täglich und bis zu 12.000 Stück im Monat liegt. Diese Diskrepanz zwischen Verbrauch und Fertigungskapazität stellt die EU vor erhebliche logistische und strategische Herausforderungen.
Im Mittelpunkt der Reaktion der Union steht die 2026 gestartete European Drone Defence Initiative (EDDI). Ihr Ziel ist es, bis 2027 ein mehrschichtiges, interoperables Gegen‑Drohnen‑System aufzubauen, das einen Rundumschutz ermöglichen soll. Ergänzend zur EDDI wurde eine 'Drone Alliance' mit der Ukraine vereinbart, die Erfahrungen aus dem Einsatzgebiet nutzen und gemeinsame Fertigungsprojekte zur Massenproduktion von UAVs vorantreiben soll.
Zugleich investieren mehrere Mitgliedstaaten stark in eigene Kapazitäten: Frankreich hat ein Paket zur Aufstockung von Drohnen‑ und Raketenbeständen angekündigt, Deutschland plant Finanzierungen für militärische Drohnen, und Polen verfolgt eine nationale Initiative zur Beschleunigung der Drohnenproduktion. Die Maßnahmen zielen darauf ab, Abhängigkeiten von außereuropäischen Lieferanten zu verringern und eine kriegswirtschaftlich orientierte Industriekooperation zu etablieren, die hohe Verluste an Einzelflugkörpern kompensieren kann.
Daneben offenbart sich ein wirtschaftliches Ungleichgewicht zwischen Angriffs‑ und Verteidigungskosten. 'Kamikaze'‑Drohnen sind vergleichsweise billig herzustellen, während Abwehrmaßnahmen oft auf deutlich teurere Flugabwehrraketen oder bemannte Systeme angewiesen sind. Diese Kostenasymmetrie hat bereits spürbare Folgen im zivilen Bereich: Zwischen 2024 und 2025 nahm die Zahl von Vorfällen in der Nähe kritischer Infrastruktur zu; Flughäfen wie Kopenhagen, Oslo und München sahen sich zeitweise gezwungen, Flüge zu stoppen oder umzuleiten, was zu hunderten Stornierungen und Umleitungen führte.
In Brüssel und in den Hauptstädten der Mitgliedstaaten wird deshalb nicht nur über eine Ausweitung der Produktion diskutiert, sondern auch über kosteneffiziente Abwehrkonzepte und beschleunigte Beschaffungswege. Experten plädieren für die Kombination aus besseren Sensorsystemen, preiswerteren elektronischen Neutralisationsmitteln und einer raschen, koordinierten Industriepolitik, damit die EU auch bei hohen Drohnenverlusten handlungsfähig bleibt.