Frankreich warnt: China gewinnt nicht, wenn es Europas Industrie zerstört
Handelsminister Nicolas Forissier fordert ein Ende der Nachsicht gegenüber preisgünstigen chinesischen Importen und drängt die EU zu gezielten Gegenmaßnahmen gegen die Importwelle.
- Forissier: Europa darf nicht naiv bleiben
- denkbar sind Beschaffungsauflagen, Zölle und Anti‑Dumping‑Maßnahmen.
Nach Angaben von Frankreichs Minister für Außenhandel, Nicolas Forissier, könne China nichts gewinnen, wenn eine Handelspolitik Europas Industrie und damit auch seinen Markt zerstöre. In einem Gespräch mit Euronews warf er der EU eine zu nachsichtige Haltung gegenüber billigeren Importen vor, die die Produktionskapazitäten innerhalb der Union unter Druck setzten, und forderte eine grundsätzliche Änderung des Umgangs mit dieser Herausforderung.
Im Mittelpunkt der Debatte steht eine anstehende Orientierungssitzung im Umfeld von EU‑Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, bei der verschiedene Instrumente zur Abschirmung gegen eine «Flut» preiswerter Waren aus China erörtert werden sollen. Forissier nannte dabei konkrete Ideen zur Verringerung von Abhängigkeiten: Unter anderem plädierte er dafür, europäische Unternehmen dazu zu verpflichten, Komponenten von mindestens drei unterschiedlichen Zulieferern zu beziehen.
Zugleich skizzierte der Minister weitere politische Hebel, die geprüft werden sollten. Dazu zählen gezielte Zuschläge für besonders strategische Bereiche wie die Chemiebranche sowie der verstärkte Einsatz von Anti‑Dumping‑ und Anti‑Subventionszöllen, um verzerrte Importpreise zu korrigieren. Forissier betonte, es gehe nicht allein um China, sondern um alle Staaten, die wirtschaftliche Abhängigkeiten als Instrument einsetzten.
Daneben mahnte Forissier die Bedeutung eines offenen, respektvollen Dialogs mit Peking an und bezeichnete die bilateralen Beziehungen als «spezielle Beziehung», die Verhandlung und gegenseitigen Respekt erfordere. Er warnte zugleich vor möglichen Gegenmaßnahmen aus China, falls die EU Beschränkungen gegen chinesische Importe verhänge.
Die wirtschaftliche Lage untermauert die Forderungen des Ministers: Das Handelsbilanzdefizit der EU gegenüber China belief sich 2025 auf rund 359,3 Milliarden Euro. Forissier machte deutlich, dass Frankreich für gezielte Instrumente eintritt, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu sichern, ohne die wirtschaftlichen Beziehungen zu China grundsätzlich in Frage zu stellen.