Global: Ölbestände könnten bei anhaltender Schließung der Straße von Hormus historische Tiefstände erreichen
UBS und weitere Analysten warnen, dass globale Ölvorräte bis Ende Mai nahe Rekordtiefs fallen könnten; daraus könnten steigende Preise und Versorgungsengpässe folgen.
Nach Angaben von Branchenbeobachtern haben kommerzielle Bestände, staatliche strategische Reserven und Tanker auf See bislang die unmittelbaren Folgen der Lieferunterbrechung durch die Sperrung der Straße von Hormus abgepuffert. Exxon Mobil zufolge haben diese Vorräte die Auswirkungen der Störung in den Monaten März und April abgeschwächt. Dennoch mahnen Analysten, dass diese Puffer nicht unbegrenzt verfügbar sind und sich die Spielräume rasch verengen könnten.
Im Mittelpunkt der Warnungen steht die begrenzte Nutzbarkeit eines Großteils der vorhandenen Vorräte: Ein erheblicher Anteil der Bestände kann laut Marktbeobachtern nicht ohne Weiteres angezapft werden, ohne die Funktionsfähigkeit von Pipelines, Tanksystemen und anderer Infrastruktur zu gefährden. JPMorgan schätzt, dass nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Gesamtmenge kurzfristig eingesetzt werden kann, ohne die notwendigen Mindestfüllstände zu unterschreiten. Daraus folgt, dass die nominalen Bestandszahlen die tatsächliche verfügbare Versorgungskraft überzeichnen.
Nach dem Schritt der jüngsten Schätzungen würden die Vorräte bei anhaltender Schließung der Straße von Hormus weiter schrumpfen: UBS rechnet demnach damit, dass die globalen Bestände bis Ende Mai in die Nähe historischer Tiefstände rücken könnten. JPMorgan prognostiziert, sollten die Störungen bis September andauern, könnten die Vorräte auf rund 6,8 Milliarden Barrel sinken. Rapidan Energy warnt wiederum davor, dass kritische Produktengpässe bereits vor dem dritten Quartal eintreten könnten, falls sich die Lage im Sommer nicht entspannt.
Daneben bleibt die kurzfristige Entwicklung wesentlich von der Dauer der Sperrung und von politischen sowie logistischen Entscheidungen rund um die Straße von Hormus abhängig. Marktteilnehmer erwarten zusätzliche Aufschläge in Erwartung der sommerlichen Spitzennachfrage; der genaue Verlauf hänge jedoch maßgeblich von der weiteren politischen Lage und von Maßnahmen zur Sicherung der Transportinfrastruktur ab.