JKCM News
Startseite
Energie

Venezuela beginnt umfassende Umschuldung von rund 150 Milliarden Dollar

Die Interimsregierung hat einen geordneten Restrukturierungsprozess für Staats- und Ölkonzernschulden angekündigt, sieht Sanktionen als Hauptursache der Zahlungsunfähigkeit und will durch Entlastung Mittel für soziale und infrastrukturelle Investitionen freisetzen.

JKCM News 2 Min Lesezeit
Titelbild: Venezuela beginnt umfassende Umschuldung von rund 150 Milliarden Dollar
Venezuela hat eine Umschuldung seiner Staats- und staatlichen Ölschulden im Volumen von mindestens 150 Milliarden US-Dollar gestartet und begründet den Schritt mit jahrelangen Sanktionen sowie verlorener Finanzierungsfäh

Nach Angaben der Wirtschafts- und Finanzministerien hat Venezuela den Beginn eines umfassenden und geordneten Prozesses zur Restrukturierung seiner Staats- und der Schulden des staatlichen Ölkonzerns erklärt. Ziel sei es, die Wirtschaft wieder dem Dienst der Bevölkerung zu unterstellen und das Land von der Last angesammelter Verbindlichkeiten zu befreien.

Die Regierung betonte, das Land habe über Jahre Solvenz gezeigt und internationale Verpflichtungen erfüllt; diese Fähigkeit sei jedoch seit 2017 durch Finanzsanktionen erheblich eingeschränkt worden. In der Mitteilung heißt es, die fehlende normale Finanzierung habe Venezuela die Möglichkeit genommen, in Gesundheit, Elektrizität, Wasser, Bildung, Infrastruktur und die wirtschaftliche Erholung zu investieren.

Unabhängige Schätzungen, auf die die Erklärung Bezug nimmt, beziffern die ausgefallenen Verbindlichkeiten seitdem auf mindestens 150 Milliarden US-Dollar, was nach diesen Angaben mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Die Regierung kündigte an, die Restrukturierung solle eine bedeutende Schuldenentlastung ermöglichen und finanzielle Mittel freisetzen, die der Bevölkerung zugutekommen sollen.

Unterdessen haben sich die außenpolitischen Rahmenbedingungen verändert: Unter der Interimspräsidentin Delcy Rodríguez haben sich die Beziehungen zu den USA nach Angaben der Regierung aufgeweicht. Im April hob die US‑Regierung Sanktionen gegen Rodríguez' Regierung auf; im Januar waren US‑Truppen in einer außergewöhnlichen Aktion Präsident Nicolás Maduro gefangen genommen worden. Maduro wurde in den USA wegen Drogen‑ und Terrorvorwürfen angeklagt, was die venezolanische Regierung zusammen mit den Lockerungen als Teil des Kontextes für den Neustart von Verhandlungen und Investitionen nennt.

Die Ölindustrie steht im Mittelpunkt der Wirtschaftsstrategie. Rodríguez verwies bereits im April auf Fortschritte im Sektor und begrüßte mehrere Vereinbarungen mit dem US‑Konzern Chevron, mit dem Ziel, die Rohölförderung zu steigern. Venezuela verfügt über sehr große nachgewiesene Ölvorräte; die zitierte Energiebehörde gibt sie mit 303 Milliarden Barrel an, was nach diesen Angaben rund 17 Prozent der weltweiten Reserven entspricht.

Gleichzeitig betont die Regierung, Verpflichtungen künftig nachhaltig erfüllen zu wollen, jedoch nur unter Bedingungen, die dem venezolanischen Volk gerecht würden. Konkrete Zeitpläne, Listen der Gläubiger oder Details zu einzelnen Umschuldungsangeboten nannte die Mitteilung nicht, lässt aber erkennen, dass zunächst Verhandlungen und Gespräche mit Investoren und Gläubigern anstehen.