Aramco‑Chef: Ölmarkt könnte sich erst 2027 normalisieren, falls Hormuz weiter blockiert bleibt
Amin Nasser warnt vor anhaltenden Versorgungsengpässen und einer umfangreichen Umpositionierung von Tankern, falls die Störung in der Straße von Hormuz andauert.
- Aramco meldet massive Lieferverluste und schrumpfende Bestände bei Benzin und Flugtreibstoff
- Pipelineumleitungen und Freigaben strategischer Reserven kompensieren nur einen Teil der Ausfälle.
Im Mittelpunkt der Sorgen steht demnach nicht nur der unmittelbare Produktionsausfall, sondern vor allem die Störung der globalen Tankerflotte. Nasser beschrieb die Flotte als vermischt: Schiffe liefen an falschen Orten auf, viele lagen vor Ort untätig, und durch anhaltende Umleitungen und Wartezeiten entstünden umfangreiche logistishe Rückstaus. Bevor die Lieferketten wieder regulär funktionieren, müssten Frachter weltweit neu positioniert werden, so der Aramco-Chef.
Zugleich bezifferte Nasser den wöchentlichen Förderverlust auf etwa 100 Millionen Barrel pro Woche, falls die Meerenge geschlossen bleibt. Der bisherige Nettoverlust belaufe sich demnach auf rund 880 Millionen Barrel, nachdem Umleitungen über die saudische Ost-West-Pipeline und Freigaben aus strategischen Reserven bereits einen Teil der Ausfälle ausgeglichen hätten. Aramco habe die Kapazität der Petroline auf sieben Millionen Barrel pro Tag erhöht, um Exporte über alternative Routen zu ermöglichen.
Inzwischen schlagen sich die Störungen auch in sinkenden Vorräten nieder, insbesondere bei Produkten wie Benzin und Flugtreibstoff. Nasser warnte, die Bestände könnten vor der Sommersaison kritisch niedrige Niveaus erreichen, falls sich die Lage nicht rasch entspannt. Er betonte, dass selbst im optimistischsten Szenario die Wiederherstellung normaler Verkehrsflüsse mehrere Monate in Anspruch nehmen werde.
Daneben wies Nasser auf die langfristigen Marktfolgen hin: Die Kombination aus entgangener Produktion, verschobenen Schiffsrouten und verzögerten Umläufen der Flotte könne die Marktbalance nachhaltig belasten. Erst wenn Tanker wieder ihre vorgesehene Positionen einnehmen und Umleitungen nicht mehr nötig sind, werde eine echte Erholung möglich sein.