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J.P. Morgan legt erste Ölpreisprognosen nach zwei Monaten vor

Bank sieht Brent 2026 bei durchschnittlich 96 US-Dollar, WTI bei 89; Analysten erklären zurückhaltende Veröffentlichung mit ungewöhnlicher Angebotsstörung und vier Preismechanismen.

Rigzone 2 Min Lesezeit
Titelbild: J.P. Morgan legt erste Ölpreisprognosen nach zwei Monaten vor
J.P. Morgan veröffentlicht nach zweimonatiger Pause wieder Preisziele und erklärt, warum Standardmodelle das aktuelle Marktumfeld nur eingeschränkt abbilden.

Nach Angaben von J.P. Morgan haben die Rohstoffanalysten der US-Bank erstmals seit zwei Monaten wieder konkrete Ölpreisprognosen vorgelegt. Demnach erwarten sie für den Brent-Spotpreis einen Jahresdurchschnitt von 96 US-Dollar pro Barrel in 2026 und 75 US-Dollar im Jahr 2027. Für West Texas Intermediate prognostiziert die Bank einen Durchschnitt von 89 US-Dollar in diesem Jahr und 70 US-Dollar im nächsten Jahr.

Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Einschätzung, dass die derzeitige Angebotsstörung ungewöhnlich ist und sich kaum an den üblichen historischen Vergleichsgrößen innerhalb der modernen Futures-Märkte messen lässt. J.P. Morgan hebt hervor, dass die gängigen Preisbildungsrahmen auf rund 25 bis 30 Jahren liquiden Futures-Handels basieren; vergleichbare geopolitische Schocks, die als Referenz dienen könnten, liegen demnach weit zurück und außerhalb dieser Datengrundlage.

Nach dem Schritt, das Modell zur Preisprojektion zu zwingen, identifizierten die Analysten vier Mechanismen, die die aktuelle Preisbildung prägen. Erstens beeinflusse der Ausgangszustand des Marktes die Reaktion auf Angebotsausfälle maßgeblich, wobei Inventarstände eine zentrale Rolle spielten. Zweitens sei die Dauer einer Störung wichtiger als ihre unmittelbare Größe: Kurzfristige Ausfälle ließen sich leichter auffangen als länger anhaltende Unterbrechungen. Drittens hänge die Nachfragewirkung davon ab, ob Nachfrager durch tatsächliche Verfügbarkeitsengpässe oder durch Preisreaktionen abgeschreckt würden. Viertens zeige das Modell, dass strukturelle Unterschiede gegenüber früheren Episoden zu andersartigen Preisverläufen führen können.

Zugleich verweisen die Analysten auf eine Besonderheit zu Jahresbeginn: Obwohl die Lagerbestände zu Beginn des Jahres aufgestaut waren und eine ‚faire‘ Bewertung nahe 60 US-Dollar geschätzt wurde, war der Schock in der Spitze deutlich größer und erreichte zweistellige Millionen-Barrel-Ausfallraten. Diese Kombination aus verhältnismäßig hohen Beständen und einem enormen, wenn auch temporären Angebotsdefizit erklärt nach Ansicht der Bank, warum konventionelle Modelle teils kontraintuitive Projektionen lieferten.

In ihrem Bericht liefern die J.P.-Morgan-Analysten damit nicht nur konkrete Zielwerte für Brent und WTI, sondern auch eine strukturierte Erklärung, weshalb Standardmodelle in der aktuellen Lage nur begrenzt zuverlässige Pfade vorgeben. Die Bank betont, dass die Besonderheiten des Schocks und die moderne, finanzialisierte Marktstruktur die Übertragbarkeit historischer Muster einschränken.