Indiens Inflation steigt im April zum sechsten Mal in Folge, bleibt aber unter Erwartungen
Verbraucherpreisinflation steigt im April auf 3,48%; Nahrungsmittel werden teurer, Zentralbank sieht Risiken durch Nahost‑Konflikt für Energiepreise.
Nach Angaben der indischen Statistikbehörde zog die Verbraucherpreisinflation (CPI) im April auf 3,48 Prozent an und verzeichnete damit den sechsten Anstieg in Folge. Damit lag die Teuerung über dem Stand von 3,40 Prozent im März, blieb jedoch unter der Umfrageerwartung von 3,80 Prozent.
Im Mittelpunkt der Entwicklung stand die Nahrungsmittelkomponente: Die Nahrungsmittelinflation kletterte auf 4,2 Prozent nach 3,87 Prozent im Vormonat und trug damit maßgeblich zum Anstieg der Gesamtinflation bei. Zugleich hielt die Regierung die Kraftstoffpreise auf Raffinerie‑ und Endverbraucherebene weitgehend stabil und hob die Preise für Flüssiggas nur geringfügig an, um Haushalte vor den Folgen steigender internationaler Ölpreise zu schützen.
Gleichzeitig warnten Notenbankvertreter vor externen Risiken für das preisliche und wirtschaftliche Umfeld. Der Gouverneur der Reserve Bank of India wies darauf hin, dass die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten auf Energie‑ und andere Infrastrukturen ein Risiko für das Inflations‑ und Wachstumsbild darstellen. Indien bezieht einen großen Teil seiner Energieimporte über die Straße von Hormuz, was die Verwundbarkeit gegenüber Lieferstörungen erhöht.
Nach dem Schritt, die jüngsten außenwirtschaftlichen Spannungen zu berücksichtigen, passte die Zentralbank ihre Prognosen an: Das reale BIP‑Wachstum für das April‑Juni‑Quartal wird nun mit 6,8 Prozent statt 6,9 Prozent erwartet, für Juli‑September mit 6,7 Prozent statt 7,0 Prozent. Außerdem taxiert die Notenbank die durchschnittliche Kopf‑Inflation für das Geschäftsjahr bis März 2027 auf rund 4,6 Prozent.
Daneben sehen ökonomische Institute weiteres Aufwärtspotenzial bei der Teuerung. Das Rating‑ und Researchhaus Crisil rechnet mit einer durchschnittlichen Inflation von etwa 5,1 Prozent im Finanzjahr bis März 2027 und warnt, dass anhaltend höhere Energiepreise steigende Inputkosten bei Erzeugern verursachen könnten, die letztlich an Verbraucher weitergegeben werden und die Kerninflation anheizen würden.
Unterdessen blieb die indische Rupie unter Druck und notierte nahe historischen Tiefstständen gegenüber dem Dollar. In Reaktion auf die Belastungen für die Devisenreserven rief Premierminister Narendra Modi die Bevölkerung dazu auf, den Kraftstoffverbrauch zu drosseln, Reisen ins Ausland einzuschränken und Goldkäufe zu verschieben, um die Außenbilanz zu entlasten.