IAEA: Nordkorea steigert Fähigkeit zur Herstellung von Atomwaffen deutlich
IAEA-Chef Rafael Grossi berichtet in Seoul von verstärkter Aktivität in Yongbyon und einer möglichen Ausweitung der Urananreicherungskapazität.
- Grossi spricht von einem «sehr ernsten Anstieg» der nuklearen Produktionsfähigkeit Nordkoreas
- Bestände werden auf einige Dutzend Sprengköpfe geschätzt.
Nach Angaben des Leiters der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verzeichnet Nordkorea einen «sehr ernsten Anstieg» seiner Fähigkeit, Atomwaffen herzustellen. Rafael Grossi machte diese Bewertung während eines Aufenthalts in Seoul, wo er Gespräche mit südkoreanischen Regierungsvertretern führte.
Im Mittelpunkt seiner Darstellung standen wiederholte IAEA-Bewertungen, die einen raschen Anstieg der Aktivitäten am Kernreaktor in Yongbyon feststellen. Zugleich beobachtete die Agentur eine Intensivierung der Abläufe in der Aufbereitungsanlage und vermehrte Betriebsphasen am Leichtwasserreaktor; außerdem seien weitere Einrichtungen in Betrieb genommen worden.
Nach dem Schritt zur Analyse äußerer Merkmale meldete die IAEA die Entdeckung eines neu errichteten Gebäudes in Yongbyon, das Ähnlichkeiten mit einer Anreicherungsanlage aufweise. Anhand dieser äußerlichen Indizien hält die Agentur eine erhebliche Zunahme der Anreicherungskapazität für möglich, betonte Grossi, wies jedoch auf die Schwierigkeit hin, konkrete Produktionssteigerungen ohne Inspektionen vor Ort genau zu beziffern.
Daneben bezifferte Grossi die nordkoreanischen Bestände auf «einige Dutzend» Sprengköpfe. Gleichzeitig stellte er fest, dass die Agentur bislang «nichts Besonderes» in Bezug auf eine mögliche Unterstützung durch Russland festgestellt habe, mahnte aber, es sei zu früh, um abschließende Schlüsse über eine Zusammenarbeit zu ziehen.
Zugleich verwies Grossi auf den längerfristigen Kontext: Nordkorea verfügt seit 2006 über Atomwaffen und hat den Zugang für IAEA-Inspektoren ab 2009 weitgehend untersagt. In Seoul fanden zeitgleich maritime Sicherheitsgespräche zwischen Südkorea, den USA und Japan statt, bei denen die Teilnehmer Maßnahmen zur Abschreckung gegen die wachsende nukleare und raketenbezogene Bedrohung durch Pjöngjang erörterten.