JKCM News
Startseite
Österreich

Konsumerhebung 2024/25: Wohnen und Energie binden 26,4 % der Haushaltsausgaben

Die neue Konsumerhebung zeigt, dass Österreichs private Haushalte im Schnitt 4.170 Euro pro Monat ausgeben und der größte Budgetblock weiter auf Wohnen und Energie entfällt.

JKCM Desk 3 Min Lesezeit
Titelbild: Konsumerhebung 2024/25: Wohnen und Energie binden 26,4 % der Haushaltsausgaben
  • Die durchschnittlichen monatlichen Verbrauchsausgaben privater Haushalte lagen bei rund 4.170 Euro.
  • Für Wohnen und Energie flossen im Schnitt 1.100 Euro oder 26,4 % des Budgets.
  • Ländliche Haushalte lagen mit 4.460 Euro deutlich über dem Durchschnitt, auch wegen höherer Mobilitätskosten.
  • In Wien wird relativ mehr für öffentlichen Verkehr, Freizeit und Reisen ausgegeben, außerhalb der Städte stärker für das Auto.

Die neue Konsumerhebung von Statistik Austria liefert einen selten so detaillierten Blick auf den Alltag der Haushalte. Im Schnitt gaben private Haushalte in Österreich 2024/25 monatlich rund 4.170 Euro für Konsum aus. Auf bedarfsgewichteter Pro-Kopf-Basis, also als Äquivalenzausgaben, waren es rund 2.760 Euro pro Monat. Der größte Posten war klar Wohnen und Energie. Für Miete, Betriebskosten, Strom, Heizung und verwandte Ausgaben flossen im Mittel 1.100 Euro oder 26,4 % des Budgets. Erst dahinter folgen Verkehr mit 567 Euro und 13,6 %, Lebensmittel und alkoholfreie Getränke mit 484 Euro und 11,6 % sowie Freizeit, Sport und Kultur mit 475 Euro oder 11,4 %. Das Ergebnis zeigt, wie dominant Grundkosten den Spielraum vieler Haushalte prägen.

Die Erhebung macht aber auch sichtbar, dass Durchschnittswerte leicht in die Irre führen können. Haushaltsgröße, Erwerbsstatus und Wohnort verändern die Struktur der Ausgaben deutlich. Größere Haushalte lagen bei den Äquivalenzausgaben um rund 11 % unter dem Wert von Einpersonenhaushalten. Erwerbstätige Singles gaben mit 3.080 Euro im Monat rund 27 % mehr aus als nicht erwerbstätige Singles mit 2.430 Euro. Zwischen allein lebenden Männern und Frauen war der Unterschied beim Gesamtniveau vergleichsweise klein, in der Zusammensetzung aber deutlich. Männer lenkten einen größeren Teil ihres Budgets in Verkehr und Gastronomie, Frauen einen höheren Anteil in andere Bereiche des täglichen Konsums. Solche Unterschiede sind für Politik und Handel relevant, weil sie zeigen, wo Belastungen unmittelbar durchschlagen.

Besonders markant fallen die regionalen Unterschiede aus. Haushalte in kleinen Gemeinden und im ländlichen Raum kamen auf durchschnittlich 4.460 Euro monatliche Verbrauchsausgaben und lagen damit klar über dem gesamtösterreichischen Schnitt. Ein zentraler Grund ist Mobilität. Außerhalb der Städte sind Haushalte stärker auf das Auto angewiesen, besitzen häufiger mehrere Fahrzeuge und geben entsprechend mehr für Anschaffung, Betrieb und Nutzung aus. In Wien ist das Bild fast spiegelverkehrt. Dort liegen die Verkehrsausgaben deutlich niedriger, gleichzeitig wird erheblich mehr Geld für öffentlichen Verkehr, Freizeitangebote und Reisen ausgegeben. Der Unterschied sagt weniger über Luxus als über Infrastruktur aus: Wer dicht angebunden wohnt, strukturiert das Budget anders als ein Haushalt mit täglicher Autoabhängigkeit.

Die Konsumerhebung zeigt damit nicht nur Preisrealitäten, sondern Lebensmodelle. In Wien besitzt weniger als die Hälfte der Haushalte ein Fahrzeug, in kleinen Gemeinden sind es rund 90 %. Die durchschnittliche Zahl der Autos pro Haushalt reicht von 0,56 in Wien über 0,85 in größeren Städten bis zu 1,5 im ländlichen Raum. Das schlägt sich direkt in den Ausgaben nieder. Zugleich geben Wiener Haushalte pro Kopf deutlich mehr für Freizeit und Urlaubsreisen aus. Für Unternehmen, Verkehrsplaner und Sozialpolitik ist diese Aufteilung wichtig, weil sie sichtbar macht, welche Ausgabenblöcke kurzfristig veränderbar sind und welche kaum. Wohnen, Energie und Mobilität bilden für viele Haushalte den harten Kern des Budgets, um den sich der Rest organisieren muss.

Methodisch ist die Erhebung robust genug, um diese Verschiebungen ernst zu nehmen. Zwischen April 2024 und Mai 2025 führten 6.689 Haushalte über zwei Wochen ein detailliertes Ausgabenprotokoll. Das macht die Daten wertvoller als schnelle Stimmungsbilder, weil sie reale Konsummuster und nicht bloß Einschätzungen abbilden. Für die Wirtschaftspolitik ist die Veröffentlichung deshalb mehr als eine Sozialstatistik. Sie zeigt, wo Kaufkraft tatsächlich gebunden ist, welche Spielräume Haushalte haben und wie stark regionale Lebensumstände den Konsum lenken. Dass mehr als ein Viertel des Budgets auf Wohnen und Energie entfällt, bleibt die eigentliche Kernbotschaft: Wer die finanzielle Lage privater Haushalte verstehen will, muss zürst diese Kostenblöcke lesen.