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Moskau sagt Militärhardware bei Siegesparade am 9. Mai ab – Drohnenangst als Begründung

Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten werden anlässlich des Jahrestags des Kriegsendes keine Panzer oder Raketensysteme über den Roten Platz rollen; der Kreml verweist auf die Gefahr durch ukrainische Angriffe.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Moskau sagt Militärhardware bei Siegesparade am 9. Mai ab – Drohnenangst als Begründung
Das Verteidigungsministerium verzichtet bei der Siegesparade auf gepanzerte Kolonnen und Raketen und nennt Sicherheitsbedenken wegen Langstreckendrohnen als Grund.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wird die traditionelle Siegesparade am 9. Mai in Moskau dieses Jahr ohne gepanzerte Fahrzeuge und Raketensysteme stattfinden. Die Entscheidung begründete das Ministerium mit der «aktuellen operativen Lage», verbundenen Sicherheitsbedenken und der Gefahr von Angriffen durch Langstreckendrohnen.

Im Mittelpunkt der angekündigten Änderungen steht zudem der Ausschluss von Kadetten militärischer Schulen sowie jugendlicher Militärorganisationen von den Feierlichkeiten. Der Kreml machte ukrainische terroristische Aktivität für die Anpassungen verantwortlich und bezeichnete dies als Ursache für den veränderten Ablauf der seit Langem zentralen staatlichen Inszenierung zur Erinnerung an den sowjetischen Sieg über Nazi‑Deutschland.

Zugleich markiert die Ankündigung eine spürbare Reduktion der öffentlichen Militärdarstellung: Seit Beginn der großangelegten Invasion der Ukraine 2022 waren die Paraden bereits reduziert worden. 2025 stellte eine Ausnahme dar, als zum 80. Jahrestag eine vollständige Militärparade mit Panzern, Werfern und Drohnen stattfand und zahlreiche ausländische Staatsgäste erschienen; die jetzige Entscheidung gilt als Rückkehr zu zurückhaltenderen Darstellungen.

Inzwischen steht die Maßnahme im Kontext anhaltender ukrainischer Langstreckenangriffe auf russische Industrie‑ und Militäreinrichtungen. In den vergangenen Wochen wurden demnach Raffinerien und Logistikknoten mehrfach getroffen, was wiederholt große Brände auslöste, und es kam zu einem Schlag gegen eine Pumpstation im Perm‑Gebiet. Der ukrainische Präsident lobte öffentlich die Reichweite und Zielgenauigkeit solcher Operationen.

Gleichzeitig warnen Analysten davor, die ökonomischen Folgen der Angriffe zu überschätzen: Ein Anstieg der Ölpreise infolge anderer geopolitischer Konflikte hat Russlands Einnahmen gestützt, sodass höhere Erlöse einen Teil der Schäden auffangen konnten. Dennoch unterstreichen die Angriffe die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur und haben offenkundig Einfluss auf die Sicherheitsbewertung staatlicher Großereignisse wie der Siegesparade.

Daneben bleibt der symbolische Charakter der Paraden unverändert: Über Jahrzehnte hinweg war der 9. Mai zur zentralen Inszenierung staatlicher Identität geworden. Die diesjährige, militärisch reduzierte Version zeigt jedoch, wie operative Risiken und tatsächliche Gefährdungen die Form staatlicher Erinnerung prägen und öffentliche Inszenierungen nachhaltig verändern können.