Nordkorea streicht Wiedervereinigungs-Formulierungen aus Verfassung und definiert Territorium erstmals
Pyongyang strich Verweise auf nationale Wiedervereinigung, entfernte Nennungen von Kim Il-sung und Kim Jong-il aus der Präambel und fügte erstmals eine territoriale Klausel ein.
Nach Angaben des Berichts hat Nordkorea zentrale Passagen seiner Verfassung überarbeitet und Verweise auf eine nationale Wiedervereinigung entfernt. Formulierungen, die bisher Unabhängigkeit, friedliche Wiedervereinigung und große nationale Einheit betonten, sind gestrichen worden; ebenso verschwand ein vorheriges Versprechen, aktiv für die nationale Wiedervereinigung zu kämpfen. Die Änderungen betreffen demnach sowohl programmatische Passagen als auch Bekenntnisse zur nationalen Zielsetzung.
Im Mittelpunkt der Überarbeitung steht demnach auch die Präambel: Zugleich wurden dort Erwähnungen der wiedervereinigungsbezogenen Verdienste der Staatsgründer Kim Il-sung und Kim Jong-il getilgt. Damit verloren frühere Bezugnahmen auf die Rolle dieser Führergenerationen in Fragen der Wiedervereinigung ihren Platz in den verfassungsmäßigen Grundsätzen. Die Streichungen betreffen sowohl ideologische Verankerungen als auch symbolische Formulierungen, die bislang das Verfassungsbild mitbestimmten.
Nach dem Schritt enthält die revidierte Verfassung erstmals eine territoriale Klausel, die das Staatsgebiet formaler festschreibt. Daneben hebt der Text wegfallender Wiedervereinigungsziele die veränderte Gewichtung in der staatsrechtlichen Sprache hervor. Analysten sehen in dieser Neufassung eine Verschiebung hin zu stärker formalisierten Beziehungen zwischen den beiden koreanischen Staaten, weil die Verfassungsformeln jetzt weniger auf eine einheitliche Nation, sondern mehr auf klar definierte Staatsgrenzen verweisen.
Zugleich könnten die Änderungen innenpolitische Bedeutung für die Legitimation staatlicher Grundsätze haben, denn die Verfassung bleibt ein zentrales Element der staatsideologischen Grundlage. International markiert die Neufassung nach Einschätzung Beobachtender einen Bruch mit früheren Zielvorstellungen zur Wiedervereinigung, ohne konkrete politische Maßnahmen oder Umsetzungspläne zu benennen. Konkrete Reaktionen von Seoul, anderen Staaten oder nordkoreanischen Organen wurden im vorliegenden Text nicht wiedergegeben.
Daneben ist bemerkenswert, dass der Text keine Angaben zu unmittelbar geplanten Schritten enthält; er dokumentiert primär eine veränderte Rhetorik und rechtliche Neuformulierung. Die Modifikationen könnten deshalb sowohl symbolische als auch strategische Signale aussenden, indem sie frühere Verfassungsziele neu gewichten und territoriale Aspekte erstmals explizit festschreiben. Damit bleibt offen, ob und wie diese verfassungsrechtliche Neuausrichtung konkrete außen- oder innenpolitische Folgen haben wird.