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ÖIF-Zahlen: Nur wenige Ukrainer planen baldige Rückkehr, Arbeitsmarktintegration steigt

ÖIF-Daten zeigen, dass ukrainische Vertriebene Sprachkurse und Arbeitsmarktangebote in Österreich intensiv nutzen und nur noch wenige eine baldige Rückkehr planen.

JKCM Desk 2 Min Lesezeit
Titelbild: ÖIF-Zahlen: Nur wenige Ukrainer planen baldige Rückkehr, Arbeitsmarktintegration steigt
  • In Österreich leben aktuell gut 94 000 Menschen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft; mehr als 60 Prozent sind Frauen und etwa ein Drittel ist unter 20.
  • Nur rund zwei Prozent planen eine baldige Rückkehr, während mehr als 60 Prozent langfristig in Österreich bleiben wollen.
  • Im Vorjahr wurden 23 000 Deutschkursplätze an ukrainische Vertriebene vergeben, bei den Niveaus B2 und C1 stellen sie den Großteil der Teilnehmenden.
  • Die Zahl der Erwerbstätigen stieg laut ÖIF von rund 10 000 im Monatsdurchschnitt 2022 auf etwa 25 000 im Vorjahr.
  • Als offene Baustelle gilt weiter die Anerkennung von Bildungsabschlüssen, für die zusätzliche Verbesserungen angekündigt wurden.

Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs rückt in Österreich die Frage in den Vordergrund, wie dauerhaft die Fluchtbewegung aus der Ukraine geworden ist. Bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt präsentierten Integrationsministerin Claudia Bauer und ÖIF‑Direktor Franz Wolf aktuelle Auswertungen zu Sprachkursen, Arbeitsmarkt und Rückkehrperspektiven. Demnach lebt in Österreich inzwischen eine große Gruppe von Menschen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft; die Daten zeigen eine hohe Nutzung von Integrationsangeboten und eine vergleichsweise rasche Einbindung in den Arbeitsmarkt.

Besonders auffällig ist die Veränderung bei den Rückkehrplänen. In einer Erhebung des Österreichischen Integrationsfonds gaben nur noch rund zwei Prozent der Befragten an, kurzfristig in die Ukraine zurückkehren zu wollen. Gleichzeitig sagt eine Mehrheit, dass sie langfristig in Österreich bleiben möchte, während ein weiterer Teil unentschlossen ist. Die politische Bewertung bleibt ambivalent: Einerseits werden die positive Arbeitsmarktintegration und der Fachkräftebedarf betont, andererseits wird darauf verwiesen, dass die Ukraine nach einem Ende des Krieges für den Wiederaufbau ebenfalls qualifizierte Menschen brauchen wird.

Bei den Sprachkursen zeigen die Zahlen eine klare Schwerpunktverschiebung in Richtung höherer Niveaus. Laut ÖIF wurden im Vorjahr 23 000 Kursplätze an ukrainische Vertriebene vergeben; damit stellten sie erstmals die größte Gruppe in den Deutschkursen. In Fortgeschrittenenkursen ist der Anteil besonders hoch: Beim Niveau B2 werden mehr als die Hälfte der Plätze von Ukrainerinnen und Ukrainern genutzt, beim Niveau C1 ist es eine deutliche Mehrheit. Aus Sicht des Integrationsfonds ist das ein Hinweis darauf, dass viele rasch in längerfristige Bildungs- und Berufswege wechseln wollen und sich nicht nur auf Grundversorgung stützen.

Am Arbeitsmarkt spiegelt sich diese Dynamik ebenfalls wider. Der ÖIF nennt einen Anstieg der Erwerbstätigkeit von rund 10 000 Personen im Monatsdurchschnitt 2022 auf etwa 25 000 im Vorjahr. Gleichzeitig bleiben strukturelle Hürden bestehen, etwa bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen und bei der Vereinbarkeit von Arbeit, Kinderbetreuung und Sprachkursen. Politisch relevant ist auch die Kopplung bestimmter Leistungen an Arbeitsmarktaktivität oder eine Vormerkung beim AMS, die laut Regierung die Teilnahme an Integrations- und Arbeitsmarktmaßnahmen stärken soll. Für Betriebe, Länder und Gemeinden bedeutet die Entwicklung vor allem, dass Qualifizierung und Anerkennung schneller funktionieren müssen, wenn die Integration der Ukrainerinnen und Ukrainer dauerhaft gelingen soll.