Prozess in Vilnius beginnt gegen fünf Verdächtige im Fall selbstentzündlicher Paketsendungen
Fünf Angeklagte stehen im Zentrum eines Prozesses in Vilnius: Ihnen wird vorgeworfen, im Auftrag des russischen Militärnachrichtendienstes GRU selbstentzündliche Pakete über die Netze von DHL und DPD in mehrere westeuropäische Länder verschickt zu haben. Ermittler sprechen von einem grenzüberschreitenden Netzwerk mit Dutzenden Beteiligten.
Nach Angaben der litauischen Justiz begann am Freitag vor einem Gericht in Vilnius der Prozess gegen fünf Männer, die beschuldigt werden, im Juli 2024 selbstentzündliche Pakete über Paketdienste in mehrere westeuropäische Länder verschickt zu haben. Die Anklage wirft den Beschuldigten vor, im Auftrag des russischen Militärnachrichtendienstes GRU gehandelt zu haben und die Sendungen über die Netze von DHL und DPD abgewickelt zu haben.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen Vorfälle aus dem Jahr 2024, bei denen entsprechende Pakete in Deutschland, Polen und Großbritannien detonierten; ein weiteres Paket habe infolge einer Fehlfunktion nicht explodiert. Ermittlern zufolge sollen im Juli 2024 von Vilnius aus vier Sendungen mit selbstgebauten explosiv‑brennbaren Vorrichtungen abgesandt worden sein. Zwei Testsendungen seien nach Nordamerika verschickt worden, zwei weitere Pakete seien in Amsterdam aufgefunden worden.
Nach dem Schritt der Strafverfolgung wurde eine grenzüberschreitende Ermittlung eingerichtet: Ein gemeinsames Team unter Führung von Eurojust vereint Litauen, Polen, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien. Zugleich erhalten die Ermittler Unterstützung aus Estland, Lettland, den USA, Kanada und von Europol. Den Ergebnissen zufolge besteht der mutmaßliche Kreis der Beteiligten aus deutlich mehr Personen; insgesamt würden 22 Menschen im Interesse russischer Nachrichtendienste gehandelt haben.
Inzwischen rekonstruieren Ermittler, dass die Rekrutierung über Online‑Nachrichtenplattformen erfolgte und Aufgaben innerhalb des Netzwerks auf mehrere Personen verteilt wurden. Dabei seien überwiegend einkommensschwächere Personen in Litauen, Polen, Russland, der Ukraine und Lettland angesprochen worden. Parallel zu dem Prozess in Vilnius läuft in Polen ein Verfahren gegen fünf weitere Beschuldigte, zudem liegen gegen mehrere Personen internationale Haftbefehle vor.
Daneben berühren die Anklagen grundlegende Fragen zur Sicherheit kommerzieller Lieferketten und dem Missbrauch von Paketnetzen für Sabotageakte. Vor Gericht wurde darauf hingewiesen, dass während der Verhandlungen Daten zu identifizierten und gesuchten Personen offengelegt werden könnten. Konkrete Beweise und die weiteren Verfahrensschritte sollen im Verlauf des Prozesses geklärt werden.