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Reale Löhne in der EU seit 2020 netto gesunken – starke Zuwächse in Nicht-Euro-Ländern

Nominale Stundenlöhne stiegen 2020–2025 um 21,9%, die Verbraucherpreise aber um 25,6% – dadurch schrumpfte die reale Kaufkraft im EU-Durchschnitt um 3%.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Reale Löhne in der EU seit 2020 netto gesunken – starke Zuwächse in Nicht-Euro-Ländern
  • Eurostat-Auswertung zeigt: In 18 Ländern wuchsen reale Löhne, in 12 sanken sie
  • Spitzenreiter sind überwiegend Nicht-Euro-Staaten, Bulgarien führt die Liste an.

Nach Angaben von Eurostat stiegen die nominalen Bruttostundenlöhne und -gehälter in der EU zwischen 2020 und 2025 von durchschnittlich €21,5 auf €26,2; das entspricht einem Zuwachs von 21,9%. Zugleich erhöhten sich die Verbraucherpreise für Waren und Dienstleistungen in diesem Zeitraum um 25,6%. In der Summe führte dies zu einem kumulierten Rückgang der realen Stundenlöhne um 3% und damit zu einem Verlust an Kaufkraft für viele Haushalte.

Im Mittelpunkt der regionalen Betrachtung stehen deutliche Unterschiede: Von 30 untersuchten europäischen Ländern verzeichneten 18 ein reales Lohnwachstum zwischen 2020 und 2025, während in 12 Staaten die Reallöhne sanken. Die stärksten kumulierten Zuwächse traten überwiegend in Staaten auf, die 2020 nicht Teil des Euro-Raums waren. Bulgarien führt die Rangliste mit einem realen Plus von 37,4% an; eine Gesetzesregelung zur Mindestlohnfestlegung trug hierzu ab 2023 bei.

Zugleich sind weitere hohe Zugewinne in Serbien (25,4%), Kroatien (21,1%) und Litauen (21,1%) zu verzeichnen. Rumänien (19,7%), Ungarn (18,8%) und Polen (17,8%) liegen in einem Bereich starker Zuwächse zwischen 15% und 20%. Innerhalb der Eurozone hoben sich Slowenien (14,4%), Lettland (10,6%) und Griechenland (8,6%) positiv ab. In etwa der Hälfte der Länder blieben die Veränderungen dagegen moderat und bewegten sich zwischen -5% und +5%.

Daneben zeigen die vier größten EU-Wirtschaften ein anderes Bild: Alle ‚Big Four‘ verzeichneten reale Einbußen. Italien weist mit -9,2% den stärksten Rückgang auf, gefolgt von Spanien mit -5,9%. Deutschland (-3,2%) und Frankreich (-3,3%) liegen leicht unter dem EU-Durchschnitt. Zu beachten ist, dass es sich um Bruttowerte handelt; steuerliche Veränderungen und unterschiedliche Take-home-Rates können die tatsächlichen Nettoeinkommen der Haushalte beeinflussen.

Insgesamt illustrieren die Zahlen, dass nominale Lohnanstiege nicht automatisch zu höheren Realverdiensten führen. Besonders in Ländern mit niedrigem Ausgangslohn ist der sogenannte ‚Catch-up‘-Effekt erkennbar: Prozentuale Zuwächse fallen dort leichter hoch aus als in Hochlohnländern. So blieb Bulgarien 2025 trotz hoher Zuwächse mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von €10,5 am unteren Ende, während Luxemburg mit €49,7 weiterhin die höchsten Stundenlöhne aufwies. Inflation und nominelle Lohnentwicklung wirkten in vielen Fällen gleichzeitig, sodass erhebliche Teile nominaler Zuwächse durch steigende Preise aufgezehrt wurden.