Schneller technologischer Wandel bei Drohnen zwingt Europa, veraltete Systeme zu kaufen
Der Ukraine-Krieg beschleunigt die Entwicklung; Europa kämpft mit zersplitterten Beschaffungsstrukturen und Abhängigkeiten in Lieferketten.
Nach Angaben einer aktuellen Analyse haben Drohnen in wenigen Monaten technische Sprünge vollzogen, sodass Staaten zunehmend Systeme kaufen, die kurz nach Auslieferung schon an Relevanz verlieren. Vor dem russischen Angriff verfügten die meisten europäischen Streitkräfte über weniger als 2.000 Drohnen; inzwischen steigt die weltweite Produktion auf Millionen von Einheiten und verändert Einsatzkonzepte wie Beschaffungsanforderungen grundlegend.
Im Mittelpunkt dieser Dynamik steht ein beschleunigter Innovationszyklus: Software, Kommunikation, Navigation und Gegenmaßnahmen verbessern sich nach Einschätzung von Experten alle drei bis sechs Monate deutlich. Die Folge ist ein Paradox der Beschaffung. Verträge für Großserien können abgeschlossen werden, während die abgedeckten Systeme durch neue technische Generationen bereits überholt sind.
Zugleich haben sich die Produktionskapazitäten massiv erhöht. Die Ukraine verdoppelte die Anzahl produzierter Einheiten von 2,2 Millionen im Jahr 2024 auf 4,5 Millionen im Jahr 2025, und Russland fertigte 2025 mehrere tausend Exemplare eines einzelnen Modells pro Monat. Dieses Tempo wandelt die Gefechtsfelder in schnelle Testfelder, auf denen Designänderungen in Wochen statt Monaten umgesetzt werden und unmittelbares Feedback in die nächste Produktgeneration einfließt.
Daneben offenbaren sich strukturelle Defizite in Europa. Trotz starker Forschung und akademischer Exzellenz bleibt die Verteidigungsindustrie fragmentiert: Rund 80 Prozent der Beschaffung und etwa 90 Prozent der Verteidigungsforschung laufen national, was Skaleneffekte verhindert und die Überführung von Innovationen in einsatzfähige Systeme erschwert. Im Vergleich profitiert der US-Markt von einer einheitlicheren Beschaffungsbasis und höheren Investitionen in entsprechende Entwicklungsprojekte, wodurch Prototypen schneller marktreif werden.
Unterdessen erhöht die Abhängigkeit von Bauteilen aus Drittstaaten die Risiken für europäische Lieferketten. Viele Drohnen enthalten Komponenten aus China, was Versorgungs- und Sanktionsrisiken birgt und NATO-Partner beunruhigt. Analysten sehen darin einen weiteren Grund, warum Europa trotz hoher Forschungsleistung Schwierigkeiten hat, kurzfristig souveräne, robuste Lieferketten und moderne Feldsysteme aufzubauen.