Studie auf Basis von Bank-of-England-Daten: Brexit kostete der britischen Wirtschaft rund 6% Wachstum
Auswertung der unternehmensbezogenen Decision‑Maker‑Daten der Bank of England zeigt, dass Brexit der Produktion über zehn Jahre etwa 6 Prozentpunkte entzogen haben könnte.
- Firmendaten der Zentralbank und ergänzende Methoden legen einen kumulativen Wachstumsverlust nahe
- rund die Hälfte des Effekts dürfte aus anfänglicher Unsicherheit resultieren.
Die Kernentwicklung: Eine Analyse interner Unternehmensdaten der Bank of England schätzt, dass Brexit der britischen Wirtschaft in den ersten zehn Jahren nach dem Referendum rund 6 Prozentpunkte des Produktionsniveaus gekostet hat. Die Studie rekonstruiert anhand von Antworten und Finanzdaten tausender Firmen, wie die Wirtschaft ohne den Austritt aus der EU möglicherweise hätte wachsen können.
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Decision‑Maker‑Daten, die die Bank ursprünglich zur Einschätzung der Konjunktur verwendete. Ergänzende Prüfungen mit fünf konventionellen Methoden zeigen im Mittel einen etwas größeren Effekt von etwa 8 Prozent über denselben Zeitraum; die firmenspezifischen Daten liefern allerdings die konservativere 6‑Prozent‑Schätzung. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die Ergebnisse nicht automatisch die offizielle Position der Zentralbank widerspiegeln.
Gleichzeitig weisen Kritiker auf methodische Grenzen hin: Es lasse sich schwer vollständig trennen, wie sehr externe Entwicklungen — etwa die starke Aufholbewegung des US‑Technologiesektors oder Schocks auf den Energiemärkten — die relative Performance der britischen Wirtschaft beeinflusst haben. Auch die Konstruktion eines plausiblen Gegenfaktischen, also der Wirtschaftspfad ohne Brexit, bleibe anspruchsvoll und anfällig für Modellannahmen.
Daneben identifizieren die Forschenden zwei Hauptkanäle des Verlusts: Etwa die Hälfte des wirtschaftlichen Einbruchs sei durch die anfängliche Überraschung und Unsicherheit nach dem Referendum entstanden, die andere Hälfte durch steigende Handelsbarrieren nach dem Austritt aus Zollunion und Binnenmarkt. In jüngeren Stellungnahmen hochrangiger Vertreter der Bank of England wurde wiederholt darauf verwiesen, dass reduzierte Exportmärkte und veränderte Marktgrößen dämpfend auf Wachstum und Produktivität gewirkt hätten; der Effekt auf Finanzdienstleistungen sei negativ, aber weniger gravierend ausgefallen als einst befürchtet.
Politisch gewinnt die Analyse zusätzliche Bedeutung kurz vor dem zehnten Jahrestag des Referendums: Der Premierminister hat Gespräche mit EU‑Partnern angekündigt, in denen Fragen zu Agrar‑, Lebensmittel‑ und Stromexporten sowie zum Emissionshandel thematisiert werden sollen. Die Autorinnen und Autoren sehen ihre Studie als Beitrag zu einer fundierten Bewertung der langfristigen ökonomischen Folgen des Austritts und liefern damit neue Anknüpfungspunkte für die laufende politische Debatte.