US und Iran drohen Rückkehr zum Krieg nach heftigstem Gefechtsaustausch seit Waffenstillstand
Nach Angriffen auf Handelsschiffe und massiven Vergeltungsschlägen droht die fragile Waffenruhe zwischen den USA und Iran zu zerbrechen.
Die Kernentwicklung ist eine rasche Eskalation zwischen den USA und Iran nach Angriffen auf drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus: Die USA führten in der Nacht eine neue Welle von Luftschlägen gegen iranische Ziele durch, mit dem erklärten Ziel, Irans Fähigkeit zu verringern, die Freie Schifffahrt in der Region zu bedrohen.
Zentraler militärischer Schaden wurde mit 80 angegriffenen Zielen durch US-Streitkräfte angegeben. Iran meldete zuvor den Verlust von acht Angehörigen von Armee und Marine bei früheren US-Angriffen. In Reaktion darauf kündigte die Iranische Revolutionsgarde Angriffe auf US-Militäreinrichtungen in Bahrain und Kuwait an und sprach von 85 getroffenen Einrichtungen; in beiden Golfstaaten ertönten mehrfach Luftalarm-Sirenen.
Gleichzeitig griffen die Spannungen wirtschaftlich: Das US-Finanzministerium entzog Teheran eine temporäre Ausnahmeregelung, die dem Land Exporterlöse aus Öl ermöglicht hatte. Damit entfällt einer der wenigen greifbaren Vorteile des im Juni geschlossenen Memorandum of Understanding, das als Rahmen für den jüngsten Waffenstillstand und mögliche weitere Verhandlungen vereinbart worden war.
Im politischen und militärischen Kalkül Teherans kündigte die Führung die Einführung einer neuen strategischen Doktrin an, wonach künftig nicht mehr zwischen US-Zielen und den Verbündeten der USA in der Region unterschieden werden soll. Diese Ausweitung des Zielhorizonts legt nahe, dass künftige Angriffe nicht nur US-Positionen, sondern auch Einrichtungen in Golfstaaten treffen könnten.
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Kontrolle über Schiffspassagen in der Straße von Hormus: Iran fordert die Nutzung einer nördlichen Route und betrachtet einen von den USA unterstützten südlichen Korridor als Verstoß gegen die Vereinbarung, die Teheran Kontrollrechte zubilligt. Zugleich verpflichtet die Abmachung Iran, innerhalb von 30 Tagen die Schifffahrt wiederherzustellen, unter anderem durch die Räumung von Seekriegsmunition.
Die jüngsten militärischen Schritte treiben die Ölpreise deutlich nach oben und erhöhen den Druck auf internationale Partner, auf Verhandlungen statt auf weitere militärische Zuspitzung zu bestehen. Unklar bleibt, ob und wie die vereinbarte Verhandlungsphase wieder aufgenommen werden kann; konkrete Schritte zur Deeskalation wurden bislang nicht genannt.