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Wirtschaft 2025: Österreichs BIP wächst nach zwei Rückgängen wieder um 0,6 %

Nach zwei schwachen Jahren hat die österreichische Wirtschaft 2025 wieder leicht zugelegt, getragen vor allem von Dienstleistungen und Investitionen.

JKCM Desk 3 Min Lesezeit
Titelbild: Wirtschaft 2025: Österreichs BIP wächst nach zwei Rückgängen wieder um 0,6 %
  • Das reale Bruttoinlandsprodukt stieg 2025 laut vorläufigen Daten um 0,6 %.
  • Im vierten Quartal lag die Wirtschaftsleistung saison- und kalenderbereinigt auf dem Niveau des dritten Quartals.
  • Dienstleistungen und Investitionen stützten das Jahresergebnis, während Bau und Teile des Produktionssektors schwach blieben.
  • Nominal erreichte das BIP 512,8 Milliarden Euro.

Nach zwei Jahren mit schrumpfender Wirtschaftsleistung hat Österreich 2025 wieder ein kleines Plus geschafft. Laut den vorläufigen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen stieg das reale Bruttoinlandsprodukt um 0,6 %. Das ist kein Boom, aber ein klarer Richtungswechsel. Im vierten Quartal blieb die Wirtschaftsleistung saison- und kalenderbereinigt gegenüber dem dritten Quartal allerdings unverändert. Der Jahresabschluss zeigt damit eine Erholung ohne Schlussspurt. Nominal erreichte das BIP 512,8 Milliarden Euro, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag bei rund 55.700 Euro. Für die Einordnung ist wichtig, dass das Plus auf breiterer Basis entstand als in den Vorquartalen, die Bewegung aber in mehreren Sektoren weiterhin fragil blieb.

Getragen wurde die Erholung vor allem vom Dienstleistungsbereich und von den Investitionen. Die Bruttoanlageinvestitionen legten real um 1,4 % zu. Bei den Dienstleistungen lag das Plus insgesamt bei 1,0 %. Besonders kräftig wuchsen öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheitswesen mit 2,8 % sowie der Grundstücks- und Wohnungsbereich mit 2,7 %. Auch die privaten Konsumausgaben trugen wieder leicht bei und stiegen um 0,5 %. Das ist für die Binnenwirtschaft relevant, weil damit nach schwächeren Phasen wieder mehr Nachfrage von Haushalten sichtbar wird. Gleichzeitig zeigt die Struktur, dass nicht alle Teile der Wirtschaft im selben Tempo zurückkommen.

Im produzierenden Bereich blieb die Lage durchwachsen. Insgesamt verzeichnete der Sektor einen Rückgang von 1,2 %. Das Bauwesen lag sogar 2,9 % unter dem Vorjahresniveau und blieb damit einer der klaren Bremsklötze des Gesamtjahres. Innerhalb der Herstellung von Waren gab es hingegen einzelne Zeichen der Stabilisierung. Die Industrie wuchs 2025 real um 1,2 %, konnte die Schwäche in anderen Bereichen aber nicht vollständig ausgleichen. Auch unter den Dienstleistungen war das Bild nicht einheitlich. Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie legten zusammen nur um 0,1 % zu, während wirtschaftsnahe Dienstleistungen sogar um 1,2 % zurückgingen. Das bestätigt, dass die Erholung zwar sichtbar ist, aber keineswegs flächendeckend.

Der Quartalsverlauf unterstreicht diese vorsichtige Lesart. Nach einem Anstieg von 0,3 % im ersten Quartal stagnierte die Wirtschaft im zweiten, legte im dritten erneut um 0,3 % zu und verharrte zum Jahresende wieder auf der Stelle. Das spricht für einen zähen Normalisierungsprozess statt für einen kräftigen Aufschwung. Unternehmen und Politik erhalten damit ein gemischtes Signal. Einerseits ist die Rezessionsphase vorerst beendet. Andererseits fehlt bislang ein breiter Impuls, der Bau, industrienahe Bereiche und konsumabhängige Segmente gleichzeitig nach vorne zieht. Gerade deshalb wird der weitere Verlauf 2026 stark davon abhängen, ob Investitionen und Konsum die derzeitige Stabilisierung in ein robusteres Wachstum übersetzen können.

Für Österreich ist die Zahl politisch und ökonomisch dennoch wichtig. Nach zwei negativen Jahren zählt bereits ein moderates Plus, weil es die Basis für Beschäftigung, Steuereinnahmen und Unternehmensplanung verändert. Der neue Datensatz zeigt, dass die Konjunktur wieder Tritt gefasst hat, aber noch mit deutlichen Narben aus der Schwächephase lebt. Wer nur auf die Jahreszahl 0,6 % schaut, liest daher zu wenig. Entscheidend ist die innere Struktur des Wachstums: Dienstleistungen und Investitionen stützen, der Bau bleibt schwach, Teile der Unternehmensdienstleistungen hinken hinterher und der Jahresendstand signalisiert noch keine dynamische Beschleunigung. Genau darin liegt die eigentliche Aussage des Befunds.