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Zunahme der Angriffe im Südlibanon setzt brüchige Waffenruhe unter Druck

Gut drei Wochen nach Inkrafttreten einer Waffenruhe geraten die Gefechte im Südlibanon wieder außer Kontrolle; israelische Luftangriffe und Vergeltungsfeuer der Hisbollah fordern Tote und zwingen tausende zur Flucht. Die USA drängen auf direkte Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon.

Handelsblatt 2 Min Lesezeit
Titelbild: Zunahme der Angriffe im Südlibanon setzt brüchige Waffenruhe unter Druck
  • Binnen 24 Stunden meldet das israelische Militär rund 50 Einsätze im Südlibanon
  • libanesische Stellen berichten von Todesopfern und massiven humanitären Folgen für die Zivilbevölkerung.

Nach Angaben libanesischer Behörden haben jüngste israelische Luftangriffe im Südlibanon mindestens fünf Menschen getötet; zuvor waren bei Gefechten bereits zwölf Tote gemeldet worden. Getroffen wurden unter anderem Gebiete um Iklim al-Tuffah und Orte nahe Nabatieh, die als Rückzugsgebiete der proiranischen Hisbollah gelten. Eine Drohne soll nahe Nabatieh ein Fahrzeug angegriffen haben, bei dem zwei Insassen ums Leben kamen, meldeten libanesische Stellen. Bei einem weiteren Angriff auf ein Haus in Iklim al-Tuffah gab es demnach mehrere Todesopfer.

Gleichzeitig berichtete das israelische Militär auf der Plattform X von rund 50 Angriffen im Südlibanon binnen 24 Stunden. Israel begründete die Einsätze mit der Zerstörung dessen, was es als Terror-Infrastruktur bezeichnete, und sprach von gezielten Treffern gegen Einrichtungen, die angeblich für Angriffe auf israelische Soldaten genutzt worden seien. Aus Militärkreisen hieß es zudem, israelische Truppen seien im Südlibanon mit mehreren Raketen beschossen worden.

Unterdessen führt die Hisbollah weiterhin Raketen- und Drohnenangriffe auf nördliche Gebiete Israels durch. Obwohl offiziell eine Waffenruhe gilt, kommt es nach wie vor täglich zu Gefechten entlang der Grenze; die anhaltenden Kämpfe haben nach libanesischen Angaben seit Anfang März mehr als 2.600 Tote und die Vertreibung von über einer Million Menschen verursacht. Die offizielle Vereinbarung über die Waffenruhe war vor rund drei Wochen getroffen worden, doch die wiederkehrenden Attacken machen den fragilen Zustand der Vereinbarung deutlich.

Vor dem Hintergrund der erneuten Eskalation drängen die USA auf direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon, um eine dauerhafte Beilegung der Feindseligkeiten zu erreichen. Washington plädiert für Verhandlungen auf höchster Ebene, verbunden mit Garantien zu Souveränität, sicheren Grenzen, humanitärer Hilfe und Wiederaufbau. Der libanesische Präsident Joseph Aoun lehnt ein direktes Treffen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bislang ab und stellt ein solches Gespräch erst nach erfolgreichen Vorverhandlungen in Aussicht.

Zugleich bleiben die Kernfragen schwer zu überbrücken: Israel fordert die vollständige Entwaffnung der Hisbollah, während der Libanon einen kompletten Abzug israelischer Kräfte verlangt. Die geplante Entwaffnung der Hisbollah aus dem Jahr 2024 ist bislang nicht umgesetzt, wodurch die bestehende Waffenruhe aus Sicht regionaler Beobachter brüchig und anfällig für erneute Eskalationen bleibt.