Arbeiterstreik legt Nordamerikas größtes Pendlerbahnnetz lahm
Fünf Gewerkschaften legten den Betrieb der Long Island Rail Road am frühen Samstagmorgen lahm; Gespräche über einen neuen Tarifvertrag stocken und eine rasche Einigung ist nicht in Sicht.
Nach Angaben von Beteiligten stellte die Long Island Rail Road (LIRR) in den frühen Morgenstunden des Samstags den Verkehr ein, nachdem fünf Gewerkschaften, die rund die Hälfte der Belegschaft vertreten, in den Streik getreten waren. Die LIRR verbindet die östlichen Vororte Long Islands mit New York City und gilt als das größte Pendlerbahnnetz Nordamerikas.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen monatelang geführte Tarifverhandlungen, die zuletzt keinen Durchbruch erzielten. Vertreter der Gewerkschaften erklärten, derzeit seien keine neuen Gespräche angesetzt und man liege in zentralen Punkten weit auseinander. Die Entscheidung zum Arbeitskampf fiel trotz eines zuvor unternommenen Vermittlungsversuchs der US-Regierung.
Zugleich wies MTA-Chef Janno Lieber die Vorwürfe zurück, die Behörde habe keine Angebote gemacht. Er betonte, die jüngste Offerte enthalte erhebliche Zugeständnisse bei den Löhnen und könne nicht akzeptiert werden, falls damit hohe Mehrbelastungen über Fahrpreiserhöhungen auf Pendler abgewälzt würden. Als Zwischenmaßnahme kündigte die MTA an Werktagen begrenzte Gratis-Shuttlebusse zu U‑Bahn-Stationen bereitzustellen, rechnet aber nicht damit, alle betroffenen Fahrgäste transportieren zu können.
Inhaltlich dreht sich der Streit nach Angaben der MTA vor allem um Lohnforderungen und Beiträge zu Krankenkassen. Die Behörde argumentiert, die initialen Forderungen würden spürbare Fahrpreiserhöhungen nach sich ziehen und Verhandlungen mit anderen Gewerkschaften erschweren. Die Gewerkschaftsseite verweist dagegen auf gestiegene Lebenshaltungskosten und fordert deutlich höhere Entgelte, um die Kaufkraft der Beschäftigten zu erhalten.
Unterdessen zeigte sich Gouverneurin Kathy Hochul solidarisch mit den Pendlern und forderte beide Seiten zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Sie warnte zugleich davor, die geforderten Zugeständnisse könnten die Fahrpreise um bis zu acht Prozent steigen lassen und zusätzliche Steuerbelastungen für Long Island nach sich ziehen. Vor dem Hintergrund ihrer anstehenden Wahl gilt die Lage als politisch heikel.
Daneben droht der Ausstand, das Pendleraufkommen in der Region erheblich zu belasten: Sollten die Sperrungen über das Wochenende hinaus andauern, müssten viele der rund 250.000 täglichen Fahrgäste alternative Routen nutzen, was voraussichtlich zu mehr Verkehr auf den ohnehin stark ausgelasteten Straßen führen wird. Die MTA rief daher dazu auf, nach Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten und nicht notwendige Fahrten zu vermeiden.