Armutsquote in Deutschland erreicht neuen Höchststand, Paritätischer warnt vor 'traurigem Rekord'
Der Paritätische meldet einen Anstieg der Armutsquote von 2024 auf 2025 auf 16,1 Prozent; 13,3 Millionen Menschen gelten als armutsgefährdet.
Nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist die Armutsquote in Deutschland von 2024 auf 2025 um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent gestiegen. Damit lebten im vergangenen Jahr 13,3 Millionen Menschen in relativer Einkommensarmut; der Verband bezeichnet dies als einen traurigen Rekord. Die Definition berücksichtigt Haushalte, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen.
Im Mittelpunkt der Daten stehen starke regionale Unterschiede. Am niedrigsten sind die Quoten demnach in Bayern und Baden‑Württemberg mit 12,6 beziehungsweise 13,2 Prozent. Die höchsten Anteile weisen Bremen (27,5 Prozent) sowie Sachsen‑Anhalt (21,3 Prozent) auf; die Stadtstaaten Hamburg und Berlin liegen bei 18,9 beziehungsweise 18,7 Prozent. Auf Kreisebene treten ähnliche Spannweiten auf: Regionen wie Trier, Weser‑Ems und Arnsberg verzeichnen besonders hohe Betroffenheitsraten.
Zugleich zeigt sich, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen überdurchschnittlich betroffen sind. Fast jede fünfte Person ab 65 Jahren gilt als armutsgefährdet, der Lebensabend drohe zur Armutsfalle zu werden, warnt der Verband. Besonders hohe Quoten finden sich zudem bei Alleinlebenden (30,3 Prozent), Alleinerziehenden (28,9 Prozent) und Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss (29,1 Prozent). In vielen Haushalten reicht das Geld nicht für laufende Kosten; bei 6,9 Prozent der Bevölkerung reichten die finanziellen Mittel im vergangenen Jahr nicht, um Rechnungen zu begleichen.
Nach dem Schritt von rückläufigen Quoten zwischen 2020 und 2023 beurteilt der Paritätische die Entwicklung als Trendwende. Die Autoren sehen eine wachsende Verfestigung von Armut dort, wo strukturelle Benachteiligungen bestehen, etwa durch eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt oder geringe Bildung. Vier von fünf Betroffenen sind nicht erwerbstätig; rund 70 Prozent der Betroffenen haben die deutsche, 30 Prozent keine deutsche Staatsangehörigkeit.