Bard‑Präsident Leon Botstein tritt nach Prüfung seiner Kontakte zu Jeffrey Epstein zurück
Ein unabhängiges Gutachten dokumentiert zahlreiche Begegnungen zwischen Botstein und dem verurteilten Sexualstraftäter sowie ungeklärte Finanztransfers; der Vorstand akzeptiert seinen Rücktritt zum 30. Juni.
- WilmerHale stellte fest, Botsteins häufige Begegnungen mit Epstein hätten Hinweise auf möglichen Missbrauch aufdecken können
- Botstein will in Lehre und Musik verbleiben.
Nach Angaben einer von Bard College beauftragten unabhängigen Prüfung hat Präsident Leon Botstein seinen Rücktritt erklärt, nachdem das Gutachten erhebliche Kontakte zwischen ihm und dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aufgezeigt hatte. Der Stiftungsrat erhielt eine Zusammenfassung des Berichts am 30. April und teilte mit, Botsteins Rücktritt trete zum 30. Juni in Kraft.
Die Untersuchung durch die Kanzlei WilmerHale kommt zu dem Ergebnis, dass Botstein von 2012 bis 2019 etwa 25 Mal Epsteins Stadthaus besucht und außerdem an einer zweitägigen Reise zu Epsteins Privatinsel Little St. James teilgenommen habe. Das Gutachten vermerkt zudem zwei Besuche Epsteins auf dem Bard-Campus. Bei mehreren dieser Begegnungen hätten mehrere Frauen anwesend gewesen, die später als Opfer identifiziert worden seien.
Zugleich wirft die Prüfung Fragen zu finanziellen Verbindungen auf. WilmerHale berichtet, Botstein habe 2016 Honorare aus einer Beratungsvereinbarung mit einer Epstein-Organisation akzeptiert, diese Einkünfte aber dem Vorstand nicht als solche offengelegt, weil er sie für eine spätere Zuwendung an die Hochschule vorgesehen habe. Nach Angaben des Gutachtens lassen sich die Dokumente nicht eindeutig dahingehend interpretieren, dass die Gelder getrennt als Spende an Bard ausgewiesen oder gebucht wurden.
Der Stiftungsrat erklärte, er sei dankbar für Botsteins fünf Jahrzehnte an der Hochschule und strebe eine geordnete Übergabe der Leitung an. Er kündigte an, Mittel, die mit Epstein in Verbindung stünden, Organisationen zukommen zu lassen, die Überlebende sexueller Gewalt unterstützen. Botstein seinerseits sagte, er habe bereits beabsichtigt, aufgrund seines Alters in den Ruhestand zu treten, wolle der Hochschule aber als Lehrender und Musiker erhalten bleiben.