Birnbaumblüte im Mostviertel: Freude über Farbe, Sorgen um Birnbaumverfall
Nach einem kühlen Frühling steht das größte zusammenhängende Birnenanbaugebiet Europas kurz vor der Blüte. Produzenten hoffen auf Bienenflug, sorgen sich zugleich um Birnbaumverfall und Feuerbrand.
- Rund 300.000 Birnbäume werden bald blühen
- Obstbauverband warnt vor Birnbaumverfall und mahnt zu Pflege und Nachpflanzungen.
Nach Angaben des Obstbauverbandes deutet im Mostviertel trotz eines zögerlichen Frühlings vieles auf eine baldige, weitgehende Blüte der Birnbestände hin. Die nachösterliche Kälte habe ein zu frühes Aufreißen der Knospen gebremst, sagte Verbandsobmann Michael Oberaigner, sodass bislang keine Frostschäden aufgetreten seien. Die erwartete Blütenpracht soll bis zum Wochenende sichtbar werden, womit Tausende der rund 300.000 regionalen Birnbäume in Weiß erstrahlen könnten.
Im Mittelpunkt der Sorge der Produzenten steht derzeit die Bestäubung: Bienenflug verläuft bislang zurückhaltend, sodass wärmere Temperaturen nötig sind, damit die Insekten aktiv werden und eine stabile Befruchtung gewährleisten. Zugleich rückt der traditionelle Tag des Mostes in vielen Orten des Mostviertels als folklorischer und kulinarischer Anlass in den Fokus; dort werden Moststraße und die NÖ Landesausstellung in Mauer besonders beachtet. Die Mostbauern hoffen, dass das Ereignis mit der beginnenden Blüte zusammenfällt und Besucher die Naturerscheinung genießen können.
Daneben wächst die langfristige Nervosität wegen der Krankheit Birnbaumverfall (Phytoplasmose), die sich in dürren Ästen, früh verfärbtem Laub und dem raschen Absterben betroffener Bäume zeigt. Verantwortlich ist ein Erreger, der über den Birnblattsauger von Baum zu Baum übertragen wird; betroffen seien inzwischen nicht nur sehr alte Exemplare, sondern auch zunehmend jüngere Bäume. Als Folge intensivieren Betriebe die Baumpflege, führen teils radikale Kronenschnitte durch und setzen auf größere Nachpflanzungen, um den Fortbestand der Kulturlandschaft zu sichern.
Gleichzeitig laufen wissenschaftlich begleitete Versuchsreihen mit ausgewählten Jungbäumen, um hitze- und krankheitsresistentere Sorten zu identifizieren. Über geförderte Aktionen seien bereits mehr als 30.000 Jungbäume nachgepflanzt worden, teilten die Produzenten mit. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Streuobstwiesen langfristig zu stabilisieren und gleichzeitig die Befallsdynamik unter veränderten Klimabedingungen einzudämmen.
Unterdessen bleibt der Feuerbrand als weiteres Risiko präsent: Die bakterielle Erkrankung tritt häufig nach der Blüte auf, war in den vergangenen Jahren jedoch weniger dramatisch ausgeprägt. Konventionelle Schutzmaßnahmen wie Räuchern oder Vereisen, die bei anderen Obstarten eingesetzt werden, lassen sich bei den teils 150- bis 200-jährigen Baumriesen des Mostviertels praktisch nicht anwenden. Deshalb setzen Obstbauern vorrangig auf Prävention, die Auswahl geeigneter Sorten und gezielte Pflanzaktionen als zentrale Strategien gegen beide Bedrohungen.