Bitcoin und Ethereum: Die Krypto Leitwährungen werden wieder wie Makro Risiko gehandelt
Der Ausverkauf Anfang Februar war kein isoliertes Krypto Ereignis, er war ein klassischer Risikoabbau, beschleunigt durch ETF Abflüsse, Hebel Liquidationen und eine Geldpolitik Debatte, die Bitcoin und Ethereum erneut in die Rolle eines hochsensiblen Makro Trades zwingt.
Zusammenfassung
- Bitcoin rutschte am 5. Februar zeitweise bis in den Bereich um 63.300 Dollar, Ether fiel deutlich mit, parallel wurden laut Marktdaten Positionen im Volumen von rund 1 Milliarde Dollar zwangsliquidiert.
- Die große Story hinter dem Rücksetzer sind Abflüsse aus US Spot Bitcoin ETFs, laut Reuters wurden im November rund 7 Milliarden Dollar abgezogen, im Dezember etwa 2 Milliarden, im Januar mehr als 3 Milliarden.
- Die schnelle Gegenbewegung am 6. Februar, Bitcoin zurück über 70.000 Dollar, änderte den Ton, nicht aber die Fragilität, Optionsdaten zeigten weiter starke Nachfrage nach Absicherung gegen tiefere Kurse.
- Ethereum bleibt in diesem Umfeld doppelt exponiert, als Risiko Asset und als Protokoll Wette, die Roadmap mit Glamsterdam in 2026 ist klarer, der Markt wartet aber auf belastbare Signale zur Nutzung und Wertabschöpfung.
- In der Industrie verschiebt sich der Schwerpunkt Richtung stabile Erlösquellen, Coinbase rutschte im vierten Quartal 2025 in einen Verlust, konnte aber die Einnahmen aus Abos und Services, vor allem Stablecoins, deutlich steigern.
Was passiert ist, und warum es diesmal so schnell ging
Der Bruch kam nicht aus dem Nichts, sondern aus einer Mischung aus Risikoaversion, dünnerer Liquidität und dem Mechanismus, der Krypto seit der ETF Ära stärker mit klassischen Märkten verbindet. Am 5. Februar fiel Bitcoin im Tagesverlauf zweistellig und markierte laut Reuters ein Tief bei rund 63.295 Dollar, Ether stand zeitweise um 1.854 Dollar, der Gesamtmarkt verlor im selben Zeitraum massiv an Wert.
Zwei Dinge machen solche Tage gefährlicher als in früheren Zyklen. Erstens, Hebel sitzt heute nicht nur in Offshore Derivaten, sondern auch in einer breiteren Palette von Produkten, inklusive ETF Konstrukten, die täglich Zu und Abflüsse in eine physische Kauf oder Verkaufspflicht übersetzen. Zweitens, der Markt ist in Stressphasen weniger breit aufgestellt, wenn gleichzeitig Technologie Aktien und andere Risiko Segmente unter Druck stehen. Reuters beschreibt genau dieses Muster, Tech und Edelmetalle rutschten ebenfalls, Krypto wurde nicht als Schutz gesucht, sondern als Position abgebaut.
ETFs sind nicht nur Nachfrage, sie sind ein Beschleuniger
In der Rally davor waren US Spot Bitcoin ETFs ein struktureller Käufer, in der Korrektur sind sie ein struktureller Verkäufer, zumindest dann, wenn Anleger Anteile zurückgeben und der Fonds Bitcoin abgeben muss. Reuters nennt die Größenordnung der jüngsten Welle, rund 7 Milliarden Dollar Abflüsse im November, etwa 2 Milliarden im Dezember, mehr als 3 Milliarden im Januar.
Gleichzeitig sind diese Vehikel groß genug, um den Markt sichtbar zu prägen. Der iShares Bitcoin Trust meldete per 13. Februar Fondsvermögen von rund 52,4 Milliarden Dollar, der iShares Ethereum Trust lag bei rund 6,58 Milliarden Dollar. Das ist kein Randphänomen mehr, das ist ein relevanter Liquiditätskanal.
Der Effekt ist psychologisch ebenso wichtig wie mechanisch. Früher war die Frage, ob neue Käufer in Krypto kommen, heute ist sie oft, ob der größte, simpelste Zugang gerade Zu oder Abflüsse sieht. In Stressphasen wird das zum Sentiment Thermometer und zum Verstärker.
Bitcoin: Geldpolitik und Liquidität sind wieder das Zentrum
Der Februar zeigt, wie stark Bitcoin auf Zins und Liquiditätserwartungen reagiert. Am 13. Februar stützten kühlere Inflationsdaten in den USA die Erwartung von Zinssenkungen, Bitcoin legte im Umfeld stärkerer Risikoneigung deutlich zu und handelte laut Reuters am Nachmittag um 69.050 Dollar.
Das passt zur Logik der vergangenen Monate. Wenn Märkte davon ausgehen, dass Finanzierungskosten fallen und Liquidität weniger knapp wird, steigt die Bereitschaft, hochvolatile Assets zu halten. Wenn dagegen über restriktivere Geldpolitik oder eine schnellere Bilanzverkürzung spekuliert wird, kippt die Stimmung rasch. Genau diese Unsicherheit war laut Reuters auch ein Teil des Abwärtsdrucks in der ersten Februarwoche.
Wichtig ist, Bitcoin bleibt fundamental ein knappes Asset, aber der Preis wird kurzfristig von Portfolio Entscheidungen dominiert, nicht von Knappheitslogik. Wer Bitcoin als Makro Hedge versteht, muss akzeptieren, dass der Markt ihn in Stressphasen oft wie ein Risiko Asset behandelt.
Ethereum: Roadmap ist klarer, die Bewertungsfrage bleibt offen
Ethereum leidet in Drawdowns meist überproportional, weil es stärker als Technologie Plattform wahrgenommen wird, und weil der Markt gleichzeitig die Frage diskutiert, wie Wert zwischen Layer 2 und Basisschicht verteilt wird. Die gute Nachricht für Ethereum ist, dass die Entwicklungstaktung planbarer wirkt. Auf ethereum.org ist Glamsterdam für 2026 verortet, als Features werden unter anderem enshrined proposer builder separation und block level access lists genannt.
Die Ethereum Foundation bestätigt in ihrem Checkpoint Update im Jänner 2026, dass Glamsterdam voll gescoped ist und die Arbeit läuft, gleichzeitig werden bereits Vorschläge für das Folge Upgrade Hegota vorbereitet. Das ist für institutionelle Anleger relevant, weil es die alte Sorge adressiert, Ethereum liefere zu langsam.
Aber, Roadmap allein ist kein Kurstreiber, wenn das Umfeld Risiko meidet. Ethereum muss in den kommenden Quartalen zeigen, dass Aktivität und Gebührenbasis auch dann stabil bleiben, wenn Spekulation abkühlt. Der Markt schaut hier inzwischen stärker auf die Nutzungsrealität als auf Narrativ.
Industrie Realismus: Wenn Volumen sinkt, zählt wieder das Geschäftsmodell
Die Coinbase Zahlen sind in diesem Kontext ein Signal. Reuters berichtet für das vierte Quartal 2025 einen Verlust von 666,7 Millionen Dollar, zugleich fielen die Transaktionserlöse deutlich. Spannend ist aber der Gegentrend, Abos und Services stiegen, Stablecoin Erlöse legten kräftig zu, Reuters nennt 364,1 Millionen Dollar Stablecoin Revenue und 727,4 Millionen Dollar Abos und Services.
Das ist keine Fußnote. Es zeigt, dass Stablecoins und Infrastruktur Erträge in der Branche wichtiger werden, gerade wenn Spot Handel nachlässt. Und es ist eine Brücke zu Ethereum, weil Stablecoin Nutzung ein zentraler Onchain Treiber bleibt.
Risiken
Ein harter Rücksetzer testet immer die Peripherie. Reuters berichtet, dass der Liquiditätsanbieter und Kreditgeber BlockFills Ein und Auszahlungen stoppte und an der Wiederherstellung der Liquidität arbeitete. Solche Ereignisse sind selten systemisch, aber sie schärfen das Bewusstsein, dass Krypto Infrastruktur in Stressphasen Verwundbarkeit zeigt.
Dazu kommt das strukturelle Risiko der ETF Dominanz, wenn eine neue Abflusswelle auf einen ohnehin nervösen Markt trifft, kann die Preisdynamik erneut kippen, unabhängig davon, ob die langfristige These intakt ist.
Szenarien
Im Basisszenario bleibt der Markt volatil und datengetrieben, Makro Zahlen, ETF Flüsse und die Entwicklung der Liquidität entscheiden Woche für Woche, ob Käufer zurückkommen oder ob jede Erholung verkauft wird.
Im positiven Szenario stabilisieren sich Zins und Inflationspfad, Zuflüsse in Krypto Vehikel drehen wieder, und Ethereum kann parallel mit klaren Upgrade Meilensteinen Vertrauen zurückgewinnen.
Im negativen Szenario reicht ein erneuter Risiko Schock, etwa über Zinsüberraschungen oder politische Unsicherheiten, um Abflüsse zu verlängern, dann werden Rücksetzer schnell wieder zu Liquidationsereignissen, mit Folgeschäden bei gehebelten Akteuren.
Was als Nächstes wichtig wird
Der Fokus liegt auf drei Signalen. Erstens, ob die ETF Flüsse wieder netto drehen oder weiter abbluten, weil das der unmittelbarste Nachfrage Indikator ist. Zweitens, ob Makro Daten den Markt in Richtung weiterer Zinssenkungen lenken, der Sprung am 13. Februar nach den Inflationsdaten zeigt die Sensitivität. Drittens, ob Ethereum im ersten Halbjahr 2026 die Glamsterdam Planung weiter konkretisiert und damit das Vertrauen in die Umsetzungsfähigkeit stärkt.