Budget 2026/27 in Hongkong: 150 Mrd. HK$ für Infrastruktur, Stellenabbau und AI+-Programm
Hongkong steuert in seinem Budget 2026/27 auf eine schrittweise Konsolidierung zu, finanziert Großprojekte über Transfers aus dem Exchange Fund und legt zugleich ein breites Programm für künstliche Intelligenz, Dateninfrastruktur und Weiterbildung vor.
- Hongkong rechnet 2026 mit realem Wachstum von 2,5 bis 3,5 Prozent und einer zugrunde liegenden Inflation von 1,7 Prozent.
- Zur Finanzierung großer Bauvorhaben sollen in zwei Jahren insgesamt 150 Milliarden HK$ aus dem Exchange Fund in den Capital Works Reserve Fund fließen.
- Die Regierung erhöht die Verschuldungsobergrenze von 700 auf 900 Milliarden HK$ und plant in den nächsten fünf Jahren jährliche Anleihe-Emissionen von 160 bis 220 Milliarden HK$.
- Im öffentlichen Dienst soll die Stellenzahl in den nächsten zwei Haushaltsjahren jeweils um 2 Prozent sinken; bis April 2028 sollen über 10.000 Posten gestrichen sein.
- Für extrem teure Wohnimmobilien steigt die Stempelsteuer: Bei Transaktionen über 100 Millionen HK$ wird der Satz von 4,25 auf 6,5 Prozent angehoben.
Am 25. Februar 2026 hat Finanzsekretär Paul Chan in Hongkong das Budget für 2026/27 vorgelegt und dabei zwei Ziele miteinander verknüpft: die öffentlichen Finanzen wieder stabiler aufzustellen und gleichzeitig die Investitionsagenda in Infrastruktur und Digitalisierung nicht auszubremsen. Die Regierung stellt sich für 2026 auf ein reales Wachstum von 2,5 bis 3,5 Prozent ein; die zugrunde liegende Inflation wird mit 1,7 Prozent veranschlagt.
Auf der Finanzierungsseite rückt ein Transfer aus dem Exchange Fund in den Mittelpunkt. In den kommenden zwei Haushaltsjahren sollen jeweils 75 Milliarden HK$ – insgesamt also 150 Milliarden HK$ – in den Capital Works Reserve Fund umgeschichtet werden, um die Northern Metropolis und weitere Infrastrukturprojekte voranzubringen. Parallel dazu will Hongkong den Kapitalmarkt stärker nutzen: Die gesetzliche Obergrenze für die Emission von Staatsanleihen soll von 700 auf 900 Milliarden HK$ steigen; für die nächsten fünf Jahre werden jährliche Anleihe-Emissionen zwischen 160 und 220 Milliarden HK$ in Aussicht gestellt. In der Planung würde die Schuldenquote von 14,4 Prozent des BIP steigen und in fünf Jahren 19,9 Prozent erreichen.
Die Konsolidierung soll zugleich über Ausgabendisziplin und punktuelle Mehreinnahmen laufen. Für den öffentlichen Dienst ist vorgesehen, die Zahl der Stellen in den nächsten zwei Haushaltsjahren jeweils um 2 Prozent zu senken; bis April 2028 sollen insgesamt mehr als 10.000 Posten wegfallen. Auf der Einnahmeseite adressiert das Budget auch den Luxus-Immobilienmarkt: Für Wohnimmobilien-Transaktionen über 100 Millionen HK$ wird die Stempelsteuer von 4,25 auf 6,5 Prozent erhöht.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Technologiepolitik, die im Budget explizit als „AI+“ gerahmt wird. Die Regierung will ein „Committee on AI+ and Industry Development Strategy“ einrichten, das die Integration von KI in Branchen priorisieren soll, zunächst etwa in Life- und Health-Tech sowie in „embodied AI“. Das InnoHK-Cluster hat bereits 16 Labore zu KI- und Robotikthemen finanziert; aus dem 3‑Milliarden‑HK$‑AI‑Subsidy‑Scheme wurden laut Budgetrede bislang rund 30 Forschungs- und Entwicklungsanträge bewilligt. Außerdem soll die Hong Kong Artificial Intelligence Research and Development Institute Company Limited in der zweiten Jahreshälfte 2026 operativ starten und neben Technologietransfer auch Fragen von Governance und Regulierung adressieren.
Für die Umsetzung werden konkrete Infrastruktur- und Qualifizierungsmaßnahmen genannt. Hongkong beziffert seine verfügbare Rechenleistung auf 5.000 petaFLOPS und verweist auf einen geplanten Datenstandort-Cluster in Sandy Ridge (rund 250.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche), dessen Ausschreibungsergebnis „kurz“ folgen soll. Für Kurse und Formate zur KI-Anwendung sollen 50 Millionen HK$ bereitgestellt werden; für die digitale Transformation in der Verwaltung ist ein zusätzlicher Topf von 100 Millionen HK$ vorgesehen. Entscheidend für die nächsten Monate ist, wie schnell die Transfers, die Bond-Pipeline und die AI+-Programme in konkrete Projekte übergehen – und ob die Kombination aus Investitionsdruck und Konsolidierung die geplante fiskalische Stabilisierung tatsächlich trägt.