CDC offenbar in Führungs‑ und Funktionskrise: 80 Prozent der Spitzenposten unbesetzt
Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter berichten von Stillstand, Personalabgang und Lücken in Gesundheitsdaten; Präsident Trump nominiert Erica Schwartz als CDC‑Direktorin.
Nach Angaben aktueller und ehemaliger Führungskräfte befindet sich das US‑Seuchenbekämpfungszentrum CDC 14 Monate nach der Amtseinführung von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. in einem Zustand massiver organisationaler Störung. Rund 80 Prozent der Führungsstellen auf Direktor‑Ebene sind demnach unbesetzt, sodass an der Spitze keine dauerhafte Leitung existiert, die die tägliche Arbeit in zentralen Bereichen wie Infektionskrankheiten, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen oder Krebsfrüherkennung steuert.
Zugleich sind die personellen Lücken Teil einer größeren Personalwelle: Seit Kennedys Ernennung hätten etwa 2.400 Mitarbeiter die Behörde verlassen oder seien entlassen worden. Weitere gut 300 Beschäftigte werden weiterhin ohne Aufgaben, aber mit voller Bezahlung auf administrativem Diensturlaub gehalten. Diese Abgänge und Abstellungen hätten die verbliebenen Mitarbeitenden verunsichert und zu spürbaren Belastungen im internen Betrieb geführt, heißt es.
Im Mittelpunkt der Probleme stehen Führungsvakanzen auf höchster Ebene. Die Stelle des CDC‑Direktors ist bereits seit Monaten unbesetzt; die einzige vom Senat bestätigte Direktorin unter der aktuellen Regierung, Susan Monarez, wurde nach weniger als einem Monat entlassen. Ihr folgten Interims‑Regelungen: Dr. Jay Bhattacharya übernahm zeitweise delegierbare Aufgaben, erreichte jedoch kürzlich eine Frist für Interimsübernahmen und gilt damit faktisch nicht länger als regulärer Amtsinhaber. Diese Lücken haben nach Berichten zu Verzögerungen bei Entscheidungen, bürokratischen Rückständen und einem verlangsamten Arbeitstempo in Teilbereichen geführt.
Daneben machten Quellen auf Defizite bei der Datenerhebung aufmerksam; in kritischen Feldern wie der Erfassung von Säuglings‑ und Müttersterblichkeit habe es Brüche gegeben, die die Arbeit der Behörde zusätzlich erschwerten. Mitarbeiter kritisieren außerdem eine veränderte wissenschaftliche Ausrichtung innerhalb der Behörde, die bei manchen Entscheidungen zu Spannungen geführt habe und die ohnehin fragile Betriebsfähigkeit weiter beeinträchtige.
In Reaktion auf die Vakanz kündigte Präsident Trump die Nominierung von Erica Schwartz, der früheren stellvertretenden Chirurgin seiner ersten Präsidentschaft, als CDC‑Direktorin an; ihre Amtsübernahme bedarf der Bestätigung durch den Senat. Zugleich wurden zwei Besetzungen für hohe stellvertretende Direktorenposten, darunter das Amt des Chief Medical Officer, angekündigt. Die neu zu berufenden Führungskräfte würden eine Behörde antreten, die nach Schilderungen von Insidern stark traumatisiert und vor erheblichen Herausforderungen stehe.