Cristian Mungiu gewinnt Palme d'Or in Cannes mit 'Fjord'
Die 79. Filmfestspiele von Cannes enden: Cristian Mungius Drama über eine strenggläubige Familie erhält die Goldene Palme; Andrey Zvyagintsevs 'Minotaur' gewinnt den Grand Prix.
Nach Angaben der Festivalleitung wurde die Goldene Palme der 79. Filmfestspiele von Cannes an 'Fjord' von Cristian Mungiu vergeben. Die Ehrung erfolgte bei der Abschlusszeremonie am Samstag und setzt Mungius Film an die Spitze des offiziellen Wettbewerbs.
Im Mittelpunkt des Dramas steht die Gheorghiu-Familie, strenggläubige rumänische Evangelikale, die in eine kleine norwegische Gemeinde am Rande eines Fjords ziehen. Im Zentrum der Handlung steht Mihai, gespielt von Sebastian Stan, ein rumänischer Luftfahrtingenieur, der in Norwegen als Programmierer arbeitet und sich in die lokale evangelikale Gemeinschaft eingliedert. Zunächst begegnen Institutionen und Nachbarn der Familie wohlwollend; die Spannung steigt, als eine Lehrerin unerklärliche Blutergüsse an einer der Töchter bemerkt und damit Konflikte zwischen Familie, Gemeinde und Behörden auslöst.
Gleichzeitig wurde Andrey Zvyagintsevs 'Minotaur' mit dem Grand Prix ausgezeichnet. In seiner Dankesrede wandte sich Zvyagintsev direkt an Russlands Präsidenten und forderte ihn auf, das Gemetzel zu beenden; er bezog sich dabei auf den russischen Einmarsch in die Ukraine, der nach seinen Worten inzwischen mehr als vier Jahre andauere. Diese politische Ansprache war Teil mehrerer bei der Preisvergabe geäußerter Statements.
Weitere Auszeichnungen betrafen die Regie: Javier Ambrossi und Javier Calvo erhielten den Regiepreis für 'La Bola Negra', ebenso wurde Pawel Pawlikowski für 'Fatherland' ausgezeichnet. Die Auswahl des Wettbewerbs umfasste 19 Filme; die Jury leitete der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook.
Zugleich spiegeln die Entscheidungen des Festivals eine programmatische Ausrichtung wider, die künstlerische Freiheit und politisches Bewusstsein in den Vordergrund rückt. Mungius 'Fjord' präsentiert sich als eine Arbeit, die Gewalt, Identität und gesellschaftliche Spannungen thematisiert und so zur symbolträchtigen Siegerarbeit dieser Ausgabe wurde.
Daneben nutzten Künstlerinnen und Künstler die Bühne, um noch einmal auf größere politische und kulturelle Fragen hinzuweisen. Bei der Preisverleihung wurden neben den Hauptpreisen auch künstlerische Debatten sichtbar, die das Festival in diesem Jahr geprägt haben und die Diskussionen über die Rolle des Kinos in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen weiter befeuern.