Micron-Chef: Kunden-Rabattschlachten trugen zu Speicherknappheit bei
Sanjay Mehrotra macht harte Preisverhandlungen großer Kunden mitverantwortlich für Unterinvestitionen in der Speicherbranche, während Micron weiter massiv in Kapazität und Forschung investiert.
Die Kernentwicklung: Micron-Chef Sanjay Mehrotra sieht den aggressiven Preisdruck großer Abnehmer als Mitursache für die anhaltende Angebotsknappheit bei Speicherchips. Nach seinen Angaben fielen die Preise 2023 auf etwa ein Drittel ihres früheren Niveaus, was viele Anbieter in die Verlustzone drängte und ihre finanziellen Spielräume für neue Investitionen stark einschränkte.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die Folge des Preisverfalls auf die Margen und die Investitionstätigkeit in der Branche. Für Micron liege die Bruttomarge im Fiskaljahr 2023 bei minus 7,3 Prozent; zugleich seien die Kapitalausgaben deutlich gesunken, von 12,1 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 7,7 Milliarden Dollar. Mehrotra betont, dass dieses Umfeld vielen Herstellern die Möglichkeit nahm, rechtzeitig in zusätzliche Produktionskapazitäten zu investieren, gerade bevor die KI-getriebene Nachfrage stark anzog.
Zugleich hebt Mehrotra hervor, dass Micron trotz der Abschwächung weiter investiert habe, wenn auch in geringerem Umfang. Das Unternehmen plant Investitionen in Höhe von rund 200 Milliarden Dollar in Fertigungskapazität sowie Forschung und Entwicklung und baut unter anderem neue Fabriken in Boise (Idaho) und Syracuse (New York). Das Projekt in Boise sei am weitesten vorangeschritten; dort sollen erste Chips Mitte des kommenden Jahres vom Band laufen und die Anlage schließlich zwei Fabriken umfassen.
Inzwischen hat die Nachfrage nach Speicher durch Künstliche Intelligenz die Marktdynamik deutlich verändert und zur finanziellen Erholung von Micron beigetragen. Die Aktie verzeichnete im zweiten Quartal einen starken Kursanstieg, und die Marktkapitalisierung zog spürbar an. Mehrotra erwartet, dass die Kapazitätsknappheit längerfristig andauern wird, da neue Halbleiterfabriken Jahre für den Aufbau benötigen und die Herstellung neuer Speichergenerationen komplexer geworden ist.
Daneben weist Mehrotra auf spürbare Effekte außerhalb der Halbleiterbranche hin: Steigende Preise für Speicherkomponenten hätten bereits zu höheren Verkaufspreisen bei Endgeräten geführt. Seiner Darstellung zufolge ergibt sich die aktuelle Angebotsverknappung aus der Kombination von früherem Preisverfall, reduzierten Investitionen und der rasant ansteigenden, KI-getriebenen Nachfrage.