Desinformationskampagne vor Bürgerbefragung: Wie Windkraft‑Gegner ein Waldviertler Dorf überschwemmten
In Burgschleinitz‑Kühnring mobilisierten vernetzte Gegner des Windkraftprojekts mit Flugblättern, Infoabenden und Beiträgen in Chat‑Gruppen. Die Volksbefragung endete extrem knapp gegen die Anlagen.
- Bei der Bürgerbefragung stimmten 423 Personen ab
- 13 Stimmen entschieden gegen drei geplante Windräder. Vorab verbreiteten Gegner umfangreiches Material mit Falschbehauptungen.
Nach Angaben geriet die niederösterreichische Gemeinde Burgschleinitz‑Kühnring Mitte März in den Fokus, nachdem eine Bürgerbefragung zum Bau von drei Windrädern denkbar knapp gegen das Projekt ausgegangen war. Von 423 Abstimmenden gaben nur 13 Stimmen den Ausschlag zugunsten eines Nein; die Wahlbeteiligung lag bei rund 75 Prozent. Für die kleine Gemeinde mit etwa 1.300 Einwohnern bedeutete das Ergebnis eine heftige Auseinandersetzung über Ausbaupläne und Informationspolitik.
Im Mittelpunkt der Berichterstattung stand eine breit angelegte Kampagne vernetzter Windkraftgegner, die in den Wochen vor der Abstimmung offenbar alle Register zog. An zahlreiche Haushalte gingen demnach Flugblätter und Postwurfsendungen, von denen mehrere Exemplare vorliegen. Hinzu kamen Infoveranstaltungen; in einschlägigen Chat‑Gruppen und sogenannten Alternativmedien kursierten wiederholt Behauptungen über angebliche Gefahren der Windkraft, darunter gesundheitliche Risiken und Umweltschäden.
Zugleich zeigt die Recherche Überschneidungen zwischen Teilen der Gegenbewegung und rechtsextremen beziehungsweise verschwörungsideologischen Publikationen. Bei einer Dialogveranstaltung im Februar habe es einen Versuch gegeben, ein Sonderheft eines rechtsextremen Magazins zu verteilen; ein Besucher bewahrte ein Exemplar als Beleg auf. Diese Begegnungen verstärkten nach Angaben der Darstellung die Wahrnehmung, dass nicht nur lokale, sondern auch überregionale Akteure Einfluss auf die Debatte genommen hätten.
Daneben trat das Energieunternehmen, das das Projekt vorstellte, mit eigenen Informationsangeboten in Erscheinung: Infostände, Sprechstunden, eine Projektzeitung und Exkursionen zu vergleichbaren Anlagen gehörten zur Öffentlichkeitsarbeit. Die kombinierte Präsenz von Projektinformationen und kritischer Kampagnenkommunikation veränderte offenbar die Stimmung in der Gemeinde und prägte die Debatten vor Ort.
Insgesamt bleibt die Situation komplex: Eine lokale Bürgerinitiative wurde auf überregionalen Webseiten erwähnt, ihr angeblicher Sprecher gab an, die Initiative nicht zu kennen, und auf Kontaktanfragen reagierte die angegebene Gruppe nicht. Die Darstellung legt nahe, dass die inhaltliche Vielfalt und die Reichweite der vorgebrachten Informationen entscheidend zur knappen Ablehnung des Vorhabens beigetragen haben.