Deutschlands Goldreserven: Forderungen, Teile des Bestands bei Rekordpreis zu verkaufen
DIW-Chef Marcel Fratzscher spricht sich für Teilverkäufe der 3.350 Tonnen Gold der Bundesbank aus, um Haushalte und Infrastruktur zu entlasten; die AfD fordert hingegen die vollständige Rückführung der Bestände.
Nach Angaben hält die Deutsche Bundesbank 3.350 Tonnen Gold und besitzt damit die zweitgrößte staatliche Reserve weltweit. Durch den jüngsten Anstieg des Goldpreises auf mehr als 4.700 US-Dollar (rund €4.140) je Feinunze liegt der Marktwert der Bestände nach Berechnungen nahe €440 Milliarden.
Im Mittelpunkt der aktuellen Debatte steht der Vorschlag des DIW-Präsidenten Marcel Fratzscher. Er bezeichnet die Reserven als »riesigen Notgroschen« und plädiert dafür, zumindest einen Teil zu veräußern. Die erzielten Erlöse sollten demnach zur unmittelbaren Entlastung von Verbrauchern und Unternehmen oder zur Finanzierung von Bildung und Infrastruktur eingesetzt werden.
Zugleich ist die Aufbewahrung der Bestände selbst ein Streitpunkt. Rund 1.236 Tonnen lagern demnach bei der Federal Reserve in New York, weitere 404 Tonnen in London; die Bundesbank verwaltet den Bestand weiterhin. Eine frühere Rückholung kleinerer Bestände aus Paris in 2017 ist Teil dieser Vorgeschichte.
Die politische Reaktion ist unterschiedlich und teils scharf. Im März 2026 brachte die AfD einen Antrag im Bundestag ein, der eine vollständige Rückführung des Staatsgoldes fordert. Andere Parteien reagierten zurückhaltend bis ablehnend: Die CSU warnte vor Überdramatisierung, die SPD betonte die Vorteile der bestehenden Lagerung, und die Grünen hoben die Sicherheit der Bestände im New Yorker Tresor hervor.
Daneben hat auch die Linke, ähnlich wie Fratzscher, die Option eines teilweisen Verkaufs in den Raum gestellt. Die Bundesbank wiederum betrachtet Gold primär als langfristigen Vertrauensanker für die Währung und hat sich bisher gegen Verkäufe ausgesprochen. Ein konkreter Prüfungsauftrag ist noch offen; derzeit ist die Angelegenheit an den Finanzausschuss überwiesen.
Nach dem Schritt, die Debatte zu führen, fällt diese Diskussion in eine Phase steigender Verbraucherpreise: Indexzahlen zeigen, dass der Motorists' Index im März 2026 gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Prozent gestiegen ist. Vor diesem Hintergrund verbinden Befürworter eines Verkaufs die Nutzung möglicher Golderlöse mit kurzfristigen Entlastungsmaßnahmen, während Gegner die Bedeutung einer dauerhaften Reservehaltung für die Währungsstabilität betonen.