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Ericsson meldet weltweit erste Live-6G-OTA-Session in Texas

Ericsson hat in Plano (Texas) eine 6G-Vorstandard-Übertragung über die Luft abgeschlossen und nennt als technische Eckdaten 7‑GHz‑Spektrum, 400‑MHz‑Trägerbandbreite sowie eine KI- und Cloud-native End-to-End-Architektur.

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Titelbild: Ericsson meldet weltweit erste Live-6G-OTA-Session in Texas
  • Die Vorstandard-OTA-Demo kombiniert Radio-Hardware, RAN Compute, softwaredefinierte Air-Interfaces und Cloud-Plattformen in einem End-to-End-Testaufbau.
  • Ericsson setzt in der Demo auf Centimeter-Wave-Spektrum im 7‑GHz-Bereich und 400 MHz Carrier-Bandbreite, mit Fokus auf Uplink, Energieeffizienz und Spektralausnutzung.
  • Als Anwendungsfälle nennt das Unternehmen Echtzeit-Steuerung von KI-Robotik sowie Video-Streaming mit konsistenter niedriger Latenz.
  • Die künftige 6G-Netztechnik soll in der 5G USA Smart Factory in Lewisville (Texas) gefertigt werden, die bereits 5G-Radios und RAN-Compute-Systeme produziert.
  • Ericsson verweist auf mehr als 6.000 Mitarbeitende in den USA und 12 Forschungszentren, darunter für AI, ASIC-Design und Antennensysteme.

Ericsson hat nach eigenen Angaben die weltweit erste live durchgeführte 6G-Vorstandard-Session „over the air“ (OTA) abgeschlossen. Der Test fand am US-Hauptsitz des Unternehmens in Plano, Texas statt und soll zentrale Bausteine eines künftigen 6G-RAN in einem Systemverbund validieren. Anders als Labor-Links über Kabel steht bei OTA-Tests die Funkstrecke im Zentrum – ein Schritt, der üblicherweise erst möglich wird, wenn genügend Komponenten als integrierter Stack verfügbar sind.

Technisch beschreibt Ericsson eine End-to-End-Architektur, die von Beginn an KI- und cloud-native ausgelegt ist. Im Demo-Aufbau kamen Radio-Hardware, RAN Compute, softwaredefinierte Luftschnittstellen und Cloud-Plattformen zusammen. Die Software-Architektur soll dabei „future-proof“ sein und sich auf unterschiedlichen Hardware-Plattformen ausrollen lassen – ausdrücklich werden CPU- und GPU-Umgebungen genannt. Das ist relevant, weil künftige RAN-Funktionen und KI-Workloads nicht mehr zwingend auf klassische Baseband-Hardware beschränkt sind.

In den „Technical highlights“ nennt Ericsson Spektrum im 7‑GHz-Bereich (Centimeter Wave) und eine Trägerbandbreite von 400 MHz. Als Leistungsziele werden ein optimierter Uplink, eine höhere Energieeffizienz und eine bessere Spektralausnutzung beschrieben. Gerade der Uplink gewinnt mit KI-Anwendungen an Gewicht: Wenn Sensorik, Robotik oder industrielle Systeme mehr Daten nach oben schicken und gleichzeitig in Echtzeit gesteuert werden sollen, wird die klassische Downlink-Optimierung vieler Mobilfunkgenerationen zu eng.

Ericsson verknüpft den Test deshalb explizit mit zwei KI-getriebenen Use-Cases: Echtzeit-Konnektivität und Verarbeitung für KI-Robotik sowie Real-Time-Video-Streaming. Das ist eine technische, aber auch eine strategische Setzung: 6G wird nicht als „schnelleres 5G“ positioniert, sondern als Teil eines AI-Stacks, der Sensing, Compute und Adaptivität in der Netzschicht zusammenführt. Für Netzbetreiber und Industriepartner rückt damit die Frage nach deterministischer Latenz, Uplink-Kapazität und On-Edge-Compute in den Vordergrund.

Parallel betont Ericsson die industrielle Verankerung in den USA. Die 5G USA Smart Factory in Lewisville, Texas fertigt bereits 5G-Radios und RAN-Compute-Systeme; für die Anlage nennt das Unternehmen Investitionen von mehr als 150 Millionen US‑Dollar, eine Fläche von rund 300.000 Quadratfuß und über 550 Fertigungsjobs. Auf dieser Basis soll künftig auch nächste Generation 6G-Netztechnik hergestellt werden – ein Signal in Richtung resilienter Lieferketten und lokaler Fertigung für kritische Infrastruktur.

Für den Standardisierungsprozess ist der Zeitpunkt bemerkenswert: Ericsson spricht von einem „pre-standard 6G stack“ und verweist auf Beiträge in globalen Gremien wie 3GPP und Open RAN. Solche Systemdemos können Spezifikationen zwar nicht ersetzen, aber sie beeinflussen, welche Architekturentscheidungen als praktisch umsetzbar gelten. In den kommenden Monaten will das Unternehmen Trials in weiteren Spektrumbändern ausweiten und mit Betreibern sowie Chipset-Partnern an der 6G-Readiness arbeiten.