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Erzbistum plant Pensionierung von Dompfarrer Toni Faber – Politiknetzwerk in Wien bleibt sichtbar

Die Erzdiözese verhandelt offenbar, Dompfarrer Toni Faber mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand zu schicken. Sein enges Verhältnis zu Politikern verschiedener Couleur hat das Verhältnis von Kirche und Stadtpolitik in Wien geprägt.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Erzbistum plant Pensionierung von Dompfarrer Toni Faber – Politiknetzwerk in Wien bleibt sichtbar
  • Toni Faber hat sich als verbindende Figur zwischen Kirche, Politik und Gesellschaft etabliert
  • Gespräche über seinen Abschied sind im Gange.

Nach Angaben aus der Erzdiözese laufen Gespräche, Toni Faber im kommenden Jahr mit 65 Jahren in Pension zu schicken. Der Dompfarrer hat sich in Wien als prägende Persönlichkeit etabliert: Seine öffentlichen Auftritte, seelsorgerischen Aufgaben und sein Umgang mit Repräsentanten aus Politik und Gesellschaft haben wiederholt Debatten über die Rolle von Geistlichen in der Stadt ausgelöst.

Im Mittelpunkt steht Fabers Funktion als Ansprechpartner für politische Akteure verschiedener Couleur. So zeigte sich seine Nähe zur Stadtpolitik etwa bei einem Treffen auf dem Stephansplatz 2020, als er Bürgermeister Michael Ludwig in der Frage der Verkehrsberuhigung unterstützte. Ein Jahr später trat Faber medienwirksam bei einem Flashmob für den arbeitsfreien Sonntag vor dem Dom auf; solche Auftritte prägten das Bild eines Dompfarrers, der in städtischen Debatten regelmäßig präsent ist.

Zugleich machen Verbindungen zur ÖVP die Breite seines Netzwerks sichtbar. Faber predigte bei einer ÖVP‑Zuversichtsmesse, nimmt an traditionellen Weinsegnungen teil und gilt als bekannt mit Parteigrößen einschließlich des früheren ÖVP-Chefs sowie weiteren ÖVP-Vertretern aus dem Stadtkreis. Daneben pflegt er auch Kontakte zur SPÖ, die seine Präsenz bei Veranstaltungen nutzte und ihn in Fragen wie der Sonntagsöffnung wiederholt an ihrer Seite wusste.

Gleichzeitig konnten in Wien andere politische Lager mit Faber zusammenarbeiten, auch wenn es vereinzelt Irritationen gab. So sorgte die Nutzung des Doms als Kulisse im Wahlkampf 2010 für kritische Reaktionen; ansonsten blieb offenkundig, dass sein Auftrittsverhalten und sein Lebensstil teils konservative Kritik hervorriefen. Unterdessen versucht die Erzdiözese, unter dem neuen Erzbischof eine Balance zu finden: Faber soll weiterhin eine Rolle spielen, zugleich aber auf konservative Kritik reagiert werden.

Nach dem Schritt, Faber in den Ruhestand zu schicken, würden nicht nur Personalfragen im Dom entschieden, sondern grundsätzliche Fragen zum Umgang der Erzdiözese mit politischer Sichtbarkeit von Geistlichen. Die Verhandlungen über seinen Abschied markieren damit einen möglichen Einschnitt für die Verbindung von Kirche, Stadtpolitik und gesellschaftlichen Eliten in Wien.

Zugleich bleibt festzuhalten, dass Faber als prägende Figur in der Wiener Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Ob und wie sich die Rolle des Dompfarrers nach seinem Weggang verändert, ist Teil der laufenden Diskussionen innerhalb der Erzdiözese und der städtischen Politik; die anstehenden Entscheidungen könnten die Art und Weise beeinflussen, wie Kirche und Politik künftig miteinander kommunizieren.