Canal+ streicht Unterzeichner offener Kritik an Vincent Bolloré – Debatte über Medienmacht flammt auf
Nach einem offenen Brief gegen die wachsende Einflussnahme von Vincent Bolloré sollen zahlreiche Filmschaffende faktisch von Kooperationen mit Canal+ ausgeschlossen worden sein; die Diskussion um Medienkonzentration und kulturpolitische Gegenmaßnahmen flammt auf.
- Canal+ hat nach Unterzeichnung eines offenen Briefs mehrere Filmschaffende von Zusammenarbeit ausgeschlossen
- Kritik an Bollorés Medienmacht sorgt für Debatte über Schutz der Vielfalt.
Nach Angaben aus dem Umfeld des diesjährigen Filmfestivals in Cannes hat Canal+ die Zusammenarbeit mit einer Reihe von Filmschaffenden faktisch eingestellt, nachdem diese einen offenen Brief gegen die zunehmende Einflussnahme des Unternehmers Vincent Bolloré unterzeichnet hatten. Betroffen sind Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Regisseure; ihre Auftritte und Projekte mit dem Sender sollen demnach verhindert oder erschwert worden sein. Die Maßnahme wird intern mit dem Schutz der Integrität von Canal+ und der Verteidigung der Belegschaft begründet.
Im Mittelpunkt der Kritik steht Bolloré, dem in den vergangenen Jahren eine bedeutende Kontrolle über Teile der französischen Medienlandschaft zugeschrieben wird. Zu den ihm nahestehenden Medien zählen unter anderem Nachrichtensender, Zeitungen, Radiosender und Verlage, wodurch seine Rolle im Kultur- und Medienbetrieb als prägend empfunden wird. Canal+-Geschäftsführer Maxime Saada begründete die Trennungen damit, dass die Unterzeichner eine Ungerechtigkeit gegenüber Mitarbeitern begangen hätten und der Sender seine Unabhängigkeit wahren müsse.
Daneben wird kontrovers diskutiert, ob staatliche oder europäische Stellen gegen eine mögliche Erosion der Medienvielfalt vorgehen sollten. Als eine vorgeschlagene Option taucht die Einrichtung eines dauerhaften EU-Fonds zur Stärkung öffentlicher Förderung von Medien und Kultur auf, um Abhängigkeiten von großen privaten Akteuren zu verringern. Befürworter sehen darin ein Instrument, das demokratische Öffentlichkeit und künstlerische Vielfalt langfristig zu schützen; Kritiker warnen indes vor den Risiken staatlicher Einflussnahme auf redaktionelle Freiheit.