Carlo Petrini, Gründer der Slow Food‑Bewegung, mit 76 Jahren gestorben
Der italienische Aktivist prägte vier Jahrzehnte Debatten über Ernährung, Nachhaltigkeit und lokale Küche; Staatsoberhaupt und Regierungsvertreter würdigen sein Lebenswerk.
Nach Angaben aus Italien ist Carlo Petrini, der Gründer der internationalen Slow Food‑Bewegung, im Alter von 76 Jahren gestorben. Er erlag in seiner Heimatstadt Bra in der norditalienischen Region Piemont einer Krebserkrankung; in den vergangenen Jahren war bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert worden.
Im Mittelpunkt seiner öffentlichen Arbeit stand eine Aktion von 1986: Als Journalist und Aktivist protestierte Petrini gegen die Eröffnung der ersten McDonald’s‑Filiale in Rom. Aus dieser Protestbewegung entwickelte sich Slow Food, das sich bewusst gegen die Verbreitung der Fast‑Food‑Kultur stellte und stattdessen die Erhaltung lokaler Kochtraditionen, nachhaltige Produktionsweisen und die Stärkung regionaler Produzenten in den Vordergrund rückte.
Zugleich wuchs Slow Food unter Petrinis Führung zu einer internationalen Vereinigung heran, die heute in mehr als 160 Ländern aktiv ist. Er gründete zudem die University of Gastronomic Sciences in Pollenzo bei Bra, eine Bildungsstätte für Forschung und Lehre zu Ernährungskulturen und nachhaltiger Lebensmittelproduktion. Bis 2022 leitete Petrini die Organisation und prägte über Jahrzehnte Debatten zu Lebensmittelqualität, Umweltschutz und sozialen Aspekten der Ernährung.
In Italien löste sein Tod umgehend Würdigungen aus: Staatspräsident Sergio Mattarella hob Petrinis Rolle bei der Sensibilisierung für Ernährungskultur und Umweltthemen hervor. Auch der Landwirtschaftsminister und der Vize‑Premier würdigten ihn als prägende Persönlichkeit, die kulturelle Traditionen und die Sichtbarkeit regionaler Produzenten gefördert habe. International fand seine Arbeit Anerkennung; so wurde Petrini 2004 von Time als europäischer ‚Held‘ ausgezeichnet, und seine Ideen fanden auch im Ausland Resonanz.
Petrinis Ansatz verband Aktivismus, Bildung und internationale Vernetzung. Neben praktischen Initiativen setzte er auf die Einbindung junger Menschen und die Sichtbarmachung kleiner Produzenten, damit Fragen der Ernährungssouveränität und fairer Produktionsbedingungen in der öffentlichen Debatte bleiben. Seine Rolle als Organisator und öffentlicher Intellektueller trug wesentlich dazu bei, Slow Food in Politik, Gastronomie und Zivilgesellschaft zu verankern.
Das Ableben des Gründers hinterlässt nach Auffassung seiner Anhänger eine Lücke in der globalen Zivilgesellschaft rund um Ernährungsthemen. Slow Food kündigte an, Petrinis Lebenswerk und die von ihm initiierten Institutionen fortzuführen; nähere Angaben zu Trauerfeierlichkeiten und Gedenkveranstaltungen lagen zunächst nicht vor.