Carlo Petrini, Gründer der Slow Food‑Bewegung, mit 76 gestorben
Petrini prägte seit den 1980er‑Jahren die Debatte um nachhaltige Ernährung; Präsident Mattarella und Minister würdigten sein Lebenswerk
Nach Angaben der Organisation Slow Food ist Carlo Petrini im Alter von 76 Jahren in seiner Geburtsstadt Bra im Piemont gestorben. In den vergangenen Jahren war er an Prostatakrebs erkrankt. Seine Organisation würdigte ihn als visionären Kopf, der die Werte gut, sauber und fair in ein internationales Netzwerk verwandelt habe und damit die öffentliche Debatte über Ernährung und Produktionsbedingungen maßgeblich beeinflusste.
Im Mittelpunkt von Petrinis Engagement stand die Gründung von Slow Food 1986, die aus einer Protestaktion gegen die Eröffnung der ersten McDonald’s‑Filiale in Rom hervorging. Gemeinsam mit Freunden verteilte er Pasta als Zeichen gegen Fast Food; aus dieser Aktion entwickelte sich eine Bewegung, die heute in mehr als 160 Ländern aktiv ist und Handwerker, Landwirte, Köche sowie Verbraucher miteinander vernetzt.
Gleichzeitig gründete Petrini die University of Gastronomic Sciences in Pollenzo nahe Bra, um Forschung, Kultur und handwerkliche Praxis der Lebensmittelproduktion zu verbinden. Durch diese Initiative entstand ein institutioneller Rahmen, der lokale Traditionen, nachhaltige Produktionsweisen und die Ausbildung von Fachkräften fördert und so langfristig zur Stärkung regionaler Lebensmittelökonomien beiträgt.
Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella führte die Reihe der Würdigungen an und nannte Petrinis Tod einen großen Verlust für Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur. Der Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida betonte, nicht jeder Mensch hinterlasse Spuren, doch Petrini habe dies getan. Vizepremier Antonio Tajani beschrieb ihn als einen bedeutenden Botschafter italienischer Traditionen.
Petrinis Wirken hatte auch internationales Gewicht: Er pflegte Kontakte zu Persönlichkeiten, die sich für ökologische Landwirtschaft einsetzen, und Vertreter seiner Bewegung wurden bei Veranstaltungen in Großbritannien empfangen. Trotz des weltweit erreichten Einflusses blieb die ursprüngliche Protestgeschichte markant; die Eröffnung der Fast‑Food‑Kette setzte sich damals durch, doch aus der Aktion entstand ein dauerhaftes, globales Gegenmodell.
Unterdessen hinterlässt der Gründer ein internationales Netzwerk, das über vier Jahrzehnte Debatten über Nachhaltigkeit, lokale Kultur und die gesellschaftliche Rolle von Lebensmitteln prägte. Seine Initiativen vereinten Gemeinschaften und schufen ein neues Bewusstsein für die Bedingungen der Nahrungsmittelproduktion, das in Politik, Bildung und öffentlicher Diskussion weiterwirkt.