EU will Abhängigkeit von US‑Tech und China eindämmen – Kommission plant Tech Sovereignty Package
Die EU-Kommission bereitet ein Maßnahmenpaket vor, das die Versorgung mit Halbleitern, Cloud‑Diensten und KI stärken und Abhängigkeiten von externen Technologieanbietern reduzieren soll. Das Vorhaben war zentrales Thema der TECH‑Konferenz in Heilbronn.
Nach Angaben von Teilnehmern der TECH by Handelsblatt‑Konferenz in Heilbronn plant die Europäische Kommission in den kommenden Tagen die Vorstellung eines sogenannten Tech Sovereignty Package. Das Paket soll die technologische Abhängigkeit Europas in Schlüsselbereichen verringern, namentlich bei Halbleitern, Cloud‑Infrastruktur und Künstlicher Intelligenz. An der Veranstaltung nahmen rund 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teil, die Intensität der Debatten spiegelte die Dringlichkeit des Themas wider.
Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Frage, wie Europa strategisch Schwächen identifiziert und zugleich vorhandene Stärken ausbaut. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Stiftungen verwiesen darauf, dass Maßnahmen in den genannten Bereichen komplex sind und erhebliche Investitionen sowie den Aufbau industrieller Kapazitäten erfordern. Mehrere Redner betonten, dass regulatorische Anpassungen nötig sein werden, um Innovationsimpulse mit langfristiger Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden.
Zugleich wurde erörtert, wie sich industrielle Strategien mit der Tradition offener Märkte vereinbaren lassen. Die Debatten konzentrierten sich auf konkrete Ansätze zur Diversifizierung von Lieferketten, zur Förderung eigener Fertigungskapazitäten und zur Stärkung europäischer Cloud‑ und KI‑Ökosysteme. Konkrete Gesetzes‑ oder Finanzierungsdetails nannte niemand; vielmehr standen Optionen und Prioritäten für künftige Maßnahmen im Vordergrund.
Inzwischen beschrieben Unternehmensvertreter und Politiker das Paket als möglichen Wendepunkt für die technologische Ausrichtung Europas, warnten aber zugleich vor zu hohen Erwartungen an schnelle Effekte. Ein nachhaltiger Wandel werde Zeit benötigen, weil Aufbauphasen von Infrastruktur und Produktion nicht kurzfristig zu realisieren seien. Die Teilnehmenden wiesen darauf hin, dass politische Entscheidungen, private Investitionen und internationale Kooperationen zeitgleich koordiniert werden müssten, um Wirkung entfalten zu können.
Daneben blieb vor der offiziellen Veröffentlichung des Kommissionspakets vieles offen: Wesentliche inhaltliche Entscheidungen waren demnach noch nicht getroffen. Die Konferenz lieferte nach Auffassung vieler Beteiligter vor allem ein Forum, um Prioritäten abzugleichen und mögliche Umsetzungswege auszuloten. Ob und in welchem Tempo das Paket die erwünschte Materialisierung von Kapazitäten und Unabhängigkeit bewirken kann, hängt vom weiteren politischen Vorgehen und der Unterstützung durch Industrieakteure ab.