JKCM News
Startseite
Wirtschaft

EZB-Direktorin Isabel Schnabel: Aus heutiger Sicht erscheint Zinserhöhung im Juni nötig

Schnabel warnt, der Ölpreisschock könne die Inflation langfristig über das Ziel treiben und die EZB zu Zinsschritten zwingen; der Rat entscheidet am 11. Juni.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: EZB-Direktorin Isabel Schnabel: Aus heutiger Sicht erscheint Zinserhöhung im Juni nötig
Die EZB-Direktorin bezeichnet den Energieschock als anhaltenden negativen Angebotsschock, der eine geldpolitische Reaktion erfordert, selbst wenn der Krieg sofort endete.

Nach Angaben von Isabel Schnabel handelt es sich bei den jüngsten Energiepreissprüngen um einen negativen Angebotsschock, der die Inflation über einen beträchtlichen Zeitraum vom Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank wegtreiben könne. Selbst bei einem sofortigen Ende des Kriegs seien bereits Schäden an Energieinfrastruktur und globalen Lieferketten entstanden, die anhaltende Preissteigerungen und wirtschaftliche Belastungen nach sich zögen.

Im Mittelpunkt ihrer Analyse steht das Dilemma der Geldpolitik: Eine straffere Ausrichtung der EZB könne notwendig werden, zugleich aber die negativen Realwirtschaftseffekte des Schocks verschärfen. Schnabel verwies darauf, dass das im März vorgelegte Basisszenario der EZB bereits zwei Zinserhöhungen enthielt, äußerte sich jedoch nicht konkret zu Markterwartungen über drei Anhebungen im laufenden Jahr.

Zugleich nannte sie Bezugsgrößen zur Einordnung der Lage: Im Euroraum lag die Inflationsrate im April bei 3,0 Prozent, damit einen Prozentpunkt über dem mittelfristigen Ziel. Der EZB-Rat trifft die nächste Entscheidung über den Leitzins am 11. Juni; zuletzt war der Einlagensatz bei 2,0 Prozent belassen worden. Vor diesem Hintergrund halte sie eine Zinserhöhung im Juni aus heutiger Sicht für nötig.

Unterdessen betonte Schnabel, die hohe Persistenz des Schocks mache eine geldpolitische Reaktion erforderlich, weil sich negative Effekte auf Wachstum und Preise bereits zeigten. Das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone wuchs von Januar bis März nur um 0,1 Prozent, was die ohnehin schwache Konjunkturlage unterstreicht.

Daneben wies Schnabel auf die ernsten Folgen für die deutsche Volkswirtschaft hin: Trotz eines etwas stärkeren Jahresauftakts drohten durch den Ölpreisschock erhebliche Belastungen, bei denen ein Fiskalpaket den Abwärtsdruck dämpfen könne. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sehe die EZB in einer ähnlichen Ausgangslage und steuere ebenfalls in Richtung möglicher Zinserhöhungen.

Insgesamt zeichnete Schnabel ein Bild, in dem die Zentralbank handeln muss, obwohl jede Straffung das Risiko birgt, die wirtschaftliche Schwäche zu verschärfen. Angesichts des Ausmaßes und der Dauerhaftigkeit des Schocks sei es jedoch keine Option mehr, dessen Auswirkungen unangetastet zu lassen.