EZB-Direktorin Schnabel: Zinserhöhung im Juni aus heutiger Sicht erforderlich
Schnabel warnt, der Ölpreisschock infolge des Iran-Konflikts heize die Inflation an und könne das Zwei‑Prozent-Ziel längerfristig gefährden; die EZB behält sich dennoch Entscheidungsfreiheit vor.
Nach Angaben von Isabel Schnabel erscheint ihr eine Anhebung des EZB-Leitzinses im Juni aus heutiger Sicht notwendig, um auf den jüngsten Ölpreisschock zu reagieren. Sie macht den Iran‑Konflikt dafür verantwortlich, dass die Energiekosten im Euroraum deutlich gestiegen seien und die Dynamik der Verbraucherpreise wieder anheize. Diese Entwicklung könne die Inflationsrate vom mittelfristigen Ziel von zwei Prozent wegdrängen.
Gleichzeitig betonte Schnabel, dass sich die Europäische Zentralbank nicht vorab festlege. Entscheidungen würden auf Basis der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der vorliegenden Daten getroffen; die Notenbank verfolge die Lage aufmerksam. Die bisherigen Schocks wirkten bereits über einen beträchtlichen Zeitraum auf die Preise ein, so die Direktorin, was die Bewertung der geldpolitischen Lage komplexer mache.
Nach dem Schritt, die Konsequenzen des Preisschocks zu beurteilen, wies Schnabel zudem darauf hin, dass ein sofortiges Ende des Konflikts die bereits entstandenen Schäden an Energieinfrastruktur und globalen Lieferketten nicht unmittelbar rückgängig mache. Solche strukturellen Belastungen könnten die Teuerung längerfristig stützen, weshalb geldpolitische Maßnahmen erforderlich erscheinen, um die Rückkehr zur Zwei‑Prozent‑Inflation zu unterstützen.
Zugleich signalisierte Bundesbank‑Präsident Joachim Nagel Unterstützung für diese Einschätzung; auch er sieht vor dem Hintergrund höherer Energiepreise die Notwendigkeit, die geldpolitische Strategie zu überprüfen. Im Euroraum lag die Inflationsrate im April bei 3,0 Prozent und damit deutlich über dem mittelfristigen Ziel der EZB. Einige Fachleute halten es für möglich, dass die Teuerungsrate weiter steigt.
Die Debatte um den Umgang mit externen Angebots‑ und Versorgungsschocks rückt damit wieder in den Mittelpunkt der EZB‑Politik. Schnabels Aussage macht deutlich, dass die Notenbank bereit ist, auf erneute Preisrisiken mit Zinsschritten zu reagieren, zugleich aber betont, Entscheidungen erst nach sorgfältiger Abwägung und Prüfung der wirtschaftlichen Daten zu treffen.