Fed hält Leitzins bei 3,50–3,75% – ungewöhnlich hohe Zahl an Gegenstimmen
FOMC stimmt 8:4 für Zinspause; Uneinigkeit dreht sich um Wortwahl zur Aussicht auf künftige Senkungen.
- Vier Mitglieder lehnten eine Formulierung mit Lockerungsbias ab
- Powell kündigte an, im Board zu bleiben, bis eine Untersuchung abgeschlossen ist.
Nach Angaben der Federal Reserve beließ das Federal Open Market Committee (FOMC) den Zielbereich für den Federal Funds Rate bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Abstimmung am Mittwoch endete mit einem überraschend breiten Dissens: Acht Mitglieder stimmten für die Erklärung, vier votierten dagegen.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand die Formulierung, wonach das Komitee bei der Beurteilung des Umfangs und des Zeitpunkts zusätzlicher Anpassungen des Zielbereichs eingehend Daten, den sich entwickelnden Ausblick und das Risikogewicht berücksichtigen werde. Kritiker sahen in dem Wort zusätzlicher ein Signal für eine mögliche zukünftige Senkung, auch wenn die Leitzinsen nominal unverändert blieben.
Gegen die Erklärung stimmten die regionalen Zentralbankpräsidentinnen und -präsidenten Beth Hammack (Cleveland), Neel Kashkari (Minneapolis) und Lorie Logan (Dallas) sowie Gouverneur Stephen Miran. Miran plädierte für eine sofortige Senkung um 25 Basispunkte, während Hammack, Kashkari und Logan zwar den Verbleib der Zinsen auf dem aktuellen Niveau unterstützten, jedoch die in der Mitteilung enthaltene Aussage ablehnten, die ein Abwärtspotenzial impliziert.
Zugleich markiert die Zahl von vier Gegenstimmen die höchste seit Oktober 1992 und verdeutlicht die Spannungen innerhalb des Fed-Kollegiums zwischen Sorgen über anhaltend erhöhte Inflation und Signalen einer Abschwächung am Arbeitsmarkt. In der Abschlussmitteilung verwies das Komitee darauf, dass die Inflation erhöht bleibe und nannte dabei teilweise die jüngsten globalen Energiepreissteigerungen als Einflussfaktor.
Märkte hatten zuvor weitgehend mit keiner Zinsänderung gerechnet; die geteilte Stimmabgabe und die textliche Verweisung auf mögliche künftige Schritte veränderten jedoch die Interpretationen von Anlegern und Ökonomen. In Reaktion auf die Entscheidung bewerten Marktteilnehmer nun die Kombination aus Zinspause, ungewöhnlich breiter interner Debatte und der angekündigten Führungsfrage an der Spitze der Notenbank neu.