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Gestufte Internetzugänge in Iran: 82 Tage nach Blackout bleiben viele Nutzer ausgesperrt

Die Regierung nennt kein Enddatum für die Wiederherstellung des internationalen Netzzugangs; ein gestuftes System mit privilegiertem, eingeschränktem und teurem Umgehungszugang vertieft soziale Unterschiede.

Euronews / JKCM 2 Min Lesezeit
Titelbild: Gestufte Internetzugänge in Iran: 82 Tage nach Blackout bleiben viele Nutzer ausgesperrt
  • Kein Zeitplan für Ende des Blackouts
  • kleine Gruppen nutzen privilegierten oder begrenzten Zugang, Millionen sind auf teure VPN‑Dienste angewiesen.

Nach Angaben einer Regierungs­sprecherin lässt sich derzeit nicht sagen, wann der internationale Internetzugang wieder vollständig hergestellt wird. Die Regierung bemühe sich um eine Lösung, die mehrere beteiligte Stellen und politische Vorgaben berücksichtigt, nannte aber keine zeitliche Perspektive.

Im Mittelpunkt der Lage steht ein dreistufiges System, das nach Beobachtungen und Berichten entstanden ist: An der Spitze steht die sogenannte white internet-Kategorie mit vollständigem, ungefiltertem Zugang, die traditionell hohen Regierungsstellen und ausgewählten Journalisten vorbehalten ist. Zugleich existiert die als Internet Pro oder stable business internet bezeichnete Stufe, die registrierten Firmen sowie bestimmten Berufsgruppen wie Ärzten, Akademikern, Anwälten und einigen Journalistinnen und Journalisten Zugang zu einer begrenzten Auswahl internationaler Dienste gewährt.

Nach dem Schritt zur teilweisen Wiederöffnung bleibt der Großteil der Bevölkerung jedoch vom weltweiten Netz abgeschnitten. Kritiker sehen in der Praxis eine Selektion nach Klasse und Beruf, weil die freie, universelle Nutzung des Internets damit faktisch entzogen wird. Zugleich sind für die am weitesten unten liegende Gruppe kommerzielle VPN‑Dienste die einzige Möglichkeit, auf internationale Plattformen zuzugreifen, was erhebliche Mehrkosten bedeutet.

Daneben zeigen sich bereits erkennbare wirtschaftliche Auswirkungen. Der Leiter der Blockchain‑Kommission des nationalen IT‑Gewerbeverbands bezifferte die Schäden im digitalen Sektor auf rund 1 Milliarde US‑Dollar in den ersten 50 Tagen der Abschaltung, einschließlich direkter Verluste und entgangener Gewinne. Besonders betroffen sind Händler, die über Instagram, WhatsApp oder Telegram verkaufen; größere Plattformen hätten infolgedessen Personal abgebaut.

Inzwischen berichten Betroffene von spürbaren Einkommensverlusten und hohen Ausgaben für VPN‑Zugänge. Ein Cafébesitzer, der nicht für Internet Pro qualifiziert ist, sagte, er zahle monatlich etwa 15 Millionen Toman, um täglich ein Gigabyte per VPN nutzen zu können. Solche Kosten verdeutlichen, wie die Zugangsbeschränkungen bestehende soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten verschärfen.