Globaler Deeptech-Report: Warum Europa bei Spitzentechnologien hinter Nordamerika zurückbleibt
Unterschiede bei Kapital, Teamgrößen und Patenten bremsen europäische Deeptech‑Start-ups, ergibt der Global Deep Tech Report.
Nach Angaben des am Donnerstag vorgestellten Global Deep Tech Report liegen die USA in mehreren zentralen Kennzahlen deutlich vor Europa. Europa stellt demnach 45 Prozent der weltweit aktiven Deeptech-Start-ups, erhielt aber nur 92,5 Milliarden Dollar an Investitionen gegenüber 337,5 Milliarden Dollar in Nordamerika. Diese Diskrepanz zeigt sich sowohl in Gesamtsummen als auch in der durchschnittlichen Höhe einzelner Finanzierungsrunden.
Im Mittelpunkt der Analyse stehen Finanzierungsvolumen, Teamgrößen und Patente als Treiber für Skalierungserfolg. Während europäische Start-ups im Schnitt 15,2 Millionen Dollar einwarben, lagen US-Unternehmen durchschnittlich bei 73,4 Millionen Dollar. Zugleich sind in Europa 81 Prozent der Deeptech-Firmen kleine Einheiten mit höchstens 50 Beschäftigten; in Nordamerika beträgt dieser Anteil 68 Prozent. Die Zahlen deuten auf eine geringere Durchdringung mittelgroßer und großer Technologieunternehmen in Europa hin.
Gleichzeitig dokumentiert der Report regionale Konzentrationen von Kapital und Erfolg, die Marktzugänge und Skalierungschancen prägen. San Francisco steuerte demnach 96,4 Milliarden Dollar an Mittelzuflüssen bei, Palo Alto 36,6 Milliarden. Auffällig positioniert sich Stockholm auf Platz drei mit 25 Milliarden Dollar; dortige Firmen sammelten nennenswerte Summen ein. Auf Länderebene liegt Großbritannien vor Frankreich und Deutschland; in Deutschland sind insgesamt 500 Deeptech-Start-ups registriert.
Daneben nennt die Studie strukturelle Ursachen für die Lücke zwischen Europa und Nordamerika. Es fehlen großvolumige, ausgereifte Risikokapitalpools, die insbesondere Spätphasenfinanzierungen absichern. Die Folge ist eine geringere Zahl von Unternehmen in späten Skalierungsphasen und damit weniger mittelgroße bis große Deeptech‑Firmen in Europa. Diese Finanzierungslücke wirkt sich zudem auf Talentbündelung, Patentaktivität und Marktpositionen aus.
Unterdessen betont der Report die strategische Bedeutung von Deeptech-Sektoren wie Künstlicher Intelligenz, Quantentechnik, Biotechnologie und neuen Materialien für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Ein kräftiger Spitzentechnologiesektor kann neue Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze erschließen und die volkswirtschaftliche Resilienz stärken. Die Analyse legt nahe, dass gezielte Maßnahmen zur Kapitalbildung und Skalierungsförderung zentral sind, wenn Europa seine Position im globalen Technologiewettbewerb verbessern will.