IHK Halle‑Dessau stellt sich gegen AfD‑Kurs in Sachsen‑Anhalt
Die Industrie- und Handelskammer Halle‑Dessau kritisiert das AfD‑Wahlprogramm in Sachsen‑Anhalt als inhaltsleer und widersprüchlich und warnt, dass restriktive Migrations- und Energiepläne dem Wirtschaftsstandort schaden könnten.
Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle‑Dessau hat sich die Kammer deutlich vom Entwurf des AfD‑Wahlprogramms in Sachsen‑Anhalt distanziert. Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier kritisierte die Pläne als oberflächlich und teilweise widersprüchlich und bemängelte, dass die Partei wenig konkret ausgearbeitete Lösungsansätze vorlege, besonders in zentralen wirtschaftspolitischen Feldern.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die Energiepolitik: Die IHK betont, eine verlässliche, bezahlbare, sichere und zugleich klimafreundliche Energieversorgung sei essenziell für die Industrie. Nach Auffassung der Kammer fehlten im AfD‑Entwurf belastbare Konzepte, die diese Anforderungen erfüllten und Unternehmen die nötige Planungssicherheit für langfristige Investitionen gewährten.
Gleichzeitig verwies die Kammer auf die Bedeutung internationaler Fachkräfte und Investitionen für den Wirtschaftsstandort. Ein weitergehender Aufnahmestopp für Nicht‑EU‑Bürger, wie ihn die Partei vorschlägt, würde nach Einschätzung der IHK massive Nachteile bringen. Internationale Arbeitskräfte hätten wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen; ohne sie drohten Engpässe in Schlüsselbranchen und daraus resultierende Wettbewerbsnachteile.
Daneben kritisierte die Kammer die Tonlage des Programmentwurfs als konfrontativ und pauschalisierend, was das Vertrauen in verlässliche politische Rahmenbedingungen untergraben könne. Die IHK legte daher eigene Leitlinien für die Landtagswahl vor, die auf weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren und stabile Rahmenbedingungen setzen und sich damit indirekt von den Positionspapieren der AfD abgrenzen.
Unternehmerische Investitionen setzten Vertrauen in die Beständigkeit politischer Entscheidungen voraus, betonte die IHK. Vor dem Hintergrund des starken Abschneidens der AfD in Umfragen stellte die Kammer klar, dass politische Stabilität, eine tragfähige Fachkräftepolitik und eine belastbare Energieversorgung zentrale Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes blieben müssen.