Iran vollstreckt Todesurteil gegen früheren Mitarbeiter der Atomenergiebehörde
Teheraner Justizbehörden sprechen von Kooperation mit dem Mossad; Menschenrechtsgruppen kritisieren mangelnde Verteidigung und mögliche erzwungene Geständnisse
- Mizan wirft Sabotage per USB‑Geräten vor
- Hengaw stellt offizielle Chronologie und die Rolle des Beschuldigten infrage.
Nach Angaben staatlicher Medien ist im Iran ein früherer Mitarbeiter der Atomenergieorganisation hingerichtet worden. Die Teheraner Justizagentur Mizan erklärte, Mehdi Farid habe im Auftrag des israelischen Geheimdienstes Mossad versucht, das interne Netzwerk einer sensiblen, verteidigungsnahen Einrichtung zu kompromittieren und externen Zugriff zu ermöglichen.
Mizan zufolge schloss Farid wiederholt per USB Geräte an interne Systeme an und habe damit Strukturinformationen, Lagepläne, Schutzstatusangaben und Personaldaten weitergegeben. Konkrete Dokumente sowie der Name der betroffenen Organisation wurden nicht veröffentlicht. Die Agentur berichtete außerdem, dass der Beschuldigte im Prozess eine Zusammenarbeit mit Mossad eingeräumt habe.
Menschenrechtsorganisationen übten scharfe Kritik an der Verfahrensführung und hoben strukturelle Mängel hervor. Sie verwiesen auf frühere Fälle, in denen Angeklagten unabhängige Rechtsvertretung verwehrt und Geständnisse unter Druck erzielt worden seien. Nach Angaben der Menschenrechtsgruppen war Farid im Winter 2022 festgenommen und nach Evin-Gefängnis überstellt worden; das Verfahren lief zunächst vor einer Revolutionsgerichtsbarkeit mit einer anfänglichen Verurteilung zu zehn Jahren Haft, die nach Einspruch der Staatsanwaltschaft in ein Todesurteil umgewandelt wurde.
Zugleich gibt es eine alternative Darstellung der zivilgesellschaftlichen Organisation Hengaw. Ihrer Darstellung zufolge handelte es sich bei Farid ursprünglich um einen IT‑Studierenden, der offenbar Anfragen zur Mitwirkung an Aktionen gegen Nuklearforscher ablehnte und stattdessen die Sicherheitsabteilung der Atomenergiebehörde informierte. Hengaw berichtet, er habe empfangene Zahlungen und Informationen offengelegt; diese Kooperation sei in den Gerichtsakten jedoch unberücksichtigt geblieben.
Die Exekution reiht sich in eine seit Beginn des Kriegs im Februar 2026 gestiegene Zahl von Todesurteilen ein. Menschenrechtsgruppen dokumentierten für 2025 einen sprunghaften Anstieg der Hinrichtungen, und die Justizspitze hatte zuvor betont, bei sogenannten Sicherheitsdelikten härter vorgehen zu wollen. Im vorliegenden Fall liegen keine unabhängigen Bestätigungen der offiziellen Darstellung vor.