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Kommentar: Halbherzige Energiepolitik der Koalition nährt Politikverdrossenheit

Befristete Entlastungen und ein Streit über Finanzierungsfragen vermitteln den Eindruck fehlender Leitlinien — ein Nährboden für politische Entfremdung.

Handelsblatt 2 Min Lesezeit
Titelbild: Kommentar: Halbherzige Energiepolitik der Koalition nährt Politikverdrossenheit
  • Die Maßnahmen folgen keinem klaren, langfristigen Plan
  • befristete Hilfen und offene Finanzierungsfragen schwächen die Regierungsarbeit.

Im Mittelpunkt steht eine Regierung, die zwar reagiert, dabei aber keinen geschlossenen Kurs vorzeigt. Die schwarz-rote Koalition hat mehrere Entlastungen auf den Weg gebracht, doch wirken diese Maßnahmen teils symbolisch und zeitlich befristet. So ist geplant, die Energiesteuer kurzfristig zu senken und eine steuerfreie Krisenprämie einzuführen; zugleich zweifeln Verantwortliche selbst an der nachhaltigen Wirkung dieser Schritte.

Zugleich zeichnen sich tiefe inhaltliche Differenzen innerhalb der Koalition ab. Teile der Entlastung sollen über höhere Tabaksteuern finanziert werden, während parallel strengere Regelungen für die Mineralölbranche vorgesehen sind. Wichtige Eingriffe, etwa eine Übergewinnsteuer, bleiben hingegen umstritten, und substanzielle Steuererleichterungen sind erst für 2027 anvisiert. Diese Mischung aus kurzfristigen Maßnahmen und offenen Streitfragen lässt eine klare politische Linie vermissen.

Daneben verfestigt die Debatte um die staatlichen Handlungsspielräume diesen Eindruck. Kanzler Friedrich Merz hat eingeräumt, der Staat könne nicht alle Unsicherheiten abfangen; daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass staatliche Interventionen Grenzen haben. Für viele Bürger entsteht dadurch das Bild einer Regierung, die zwar handelnd auf Krisen reagiert, aber keinen längerfristig tragfähigen Plan kommuniziert.

Nach dem Schritt, einzelne Entlastungen zu beschließen, bleibt die Frage nach Wirkung und Nachhaltigkeit offen. Befristete Angebote wie der geplante Tankrabatt für zwei Monate und die Option einer steuerfreien Krisenprämie von bis zu 1.000 Euro mildern kurzfristig Belastungen, können aber nach ihrem Ablauf zu einem Wiederanstieg der Preise führen. Diese Aussicht, verbunden mit anhaltenden internen Auseinandersetzungen, untergräbt nach Einschätzung des Kommentars das Vertrauen in die Regierungsführung und bietet politischen Gegnern potenziellen Zulauf.